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Musik & Film31. Juli 2026, 19:00 Uhr · von Redaktion

Techno-Erbe mit neuer Mission

In Berlin knüpft „Rave The Planet“ an die Idee der Loveparade an. Eine ARD-Doku zeigt, wie der Nachfolger seit 2022 auf Frieden, Vielfalt und strengere Sicherheit setzt – im Schatten der Katastrophe von Duisburg 2010.

Techno-Erbe mit neuer Mission

Die Loveparade gehört bis heute zu den prägendsten Symbolen der deutschen Technokultur. Was 1989 mit rund 150 Teilnehmenden als Demonstration für Frieden, Liebe und Toleranz begann, wurde in den 90ern zu einem Massenereignis mit bis zu 1,5 Millionen Menschen. Eine neue ARD-Dokumentation mit dem Titel „Love is stronger“ schaut nun zurück auf diesen Aufstieg – und auf die Frage, ob sich die Idee dahinter neu denken lässt.

Von der Szene-Idee zum Mega-Event

Im Mittelpunkt stehen die frühen Jahre in West-Berlin, als Dr. Motte und Danielle de Picciotto die Parade als positives politisches Statement auf die Straße brachten. Nach dem Mauerfall rückten auch Wiedervereinigung und Gemeinschaft stärker in den Fokus. Mit dem Erfolg veränderte sich jedoch die Veranstaltung: Aus einer Szene-Demo wurde ein kommerziell geprägtes Großevent, begleitet von wachsendem Organisationsaufwand, Sponsorenabhängigkeit und internen Konflikten.

Die Doku zeigt auch, wie unterschiedlich die Entwicklung bis heute bewertet wird. Während Danielle de Picciotto von einer Verschiebung der ursprünglichen Werte spricht und sich aus der Organisation zurückzog, wurde die Professionalisierung von anderen als notwendiger Schritt gesehen. Gleichzeitig nahmen Kritik, Sicherheitsfragen und der Druck durch Behörden zu. 2005 ging die Marke schließlich an den Fitnessunternehmer Rainer Schaller.

Neustart nach dem Trauma

Das tragische Ende kam 2010 in Duisburg: Bei einem Unglück im Gedränge starben 21 Menschen, mehr als 650 wurden verletzt, viele weitere sind bis heute traumatisiert. Das Strafverfahren wurde 2020 eingestellt, ein gerichtliches Urteil zur Schuldfrage gibt es nicht.

Zwölf Jahre später startete mit „Rave The Planet“ ein neuer Versuch, die ursprüngliche Idee einer Musik-Demonstration wiederzubeleben. Das Projekt von Dr. Motte und Ellen Dosch-Roeingh setzt laut Doku auf Frieden, Vielfalt und Menschlichkeit – verbunden mit strengeren Sicherheitsauflagen und bewusstem Abstand zur früheren Kommerzialisierung.

  • Start der Loveparade: 1989 in Berlin
  • Höchststand: rund 1,5 Millionen Menschen
  • Katastrophe: 2010 in Duisburg mit 21 Toten
  • Neubeginn: erste „Rave The Planet“-Parade 2022