Tausende gegen Modi auf der Straße
In Neu-Delhi haben Tausende Anhänger der "Cockroach"-Bewegung gegen die Regierung von Premierminister Narendra Modi protestiert. Die Polizei stoppte den Marsch zum Parlament mit Tränengas, Schlagstöcken und Barrikaden.

In Neu-Delhi ist es bei einem der größten Proteste der vergangenen Jahre zu schweren Spannungen gekommen. Tausende Menschen gingen auf die Straße, angeführt von der sogenannten "Cockroach"-Bewegung. Ihr Ziel: Protest gegen die Regierung von Narendra Modi und gegen Bildungsminister Dharmendra Pradhan.
Die Lage eskalierte, als Demonstrierende in Richtung Parlamentsgebäude ziehen wollten. Indische Medien berichten, dass die Polizei den Marsch mit Tränengas und Schlagstöcken stoppte. Über Lautsprecher wurden die Menschen aufgefordert, den Protestort zu verlassen. Rund um das Parlamentsviertel wurden außerdem Barrikaden aufgebaut. Laut Medien gab es auf beiden Seiten Verletzte.
Worum es bei den Protesten geht
Die Bewegung fordert vor allem Veränderungen im Bildungssystem. Hintergrund ist ein Skandal um vorab bekannt gewordene Fragen bei Hochschul-Aufnahmeprüfungen. Bildungsminister Pradhan soll dafür politisch die Verantwortung übernehmen. Einige Demonstrierende verlangten deshalb nicht nur seinen Rücktritt, sondern auch den von Premier Modi.
- Forderung nach Bildungsreformen
- Rücktritt von Bildungsminister Pradhan
- Teilweise auch Rücktritt von Premier Modi
Satire im Netz, Massenprotest auf der Straße
Die Cockroach Janta Party war erst im Mai entstanden. Auslöser waren Aussagen des Vorsitzenden des Obersten Gerichtshofs, der arbeitslose junge Menschen als „Kakerlaken“ bezeichnet hatte. Was zunächst als satirische Online-Aktion begann, wuchs rasant: Innerhalb weniger Tage sammelte die Bewegung auf Instagram mehr als 21 Millionen Follower.
Nach Angaben eines Sprechers wurde Parteigründer Abhijeet Dipke während der Proteste festgenommen, eine offizielle Bestätigung der Polizei gab es dafür zunächst nicht. Die Hauptstadt-Polizei hatte nach eigener Darstellung keine Genehmigung für den geplanten Marsch erteilt. Gleichzeitig erklärte ein Sprecher der Bewegung, man sei zu Gesprächen mit der Regierung bereit. Zusätzlichen Zündstoff bekam die Protestwelle zuletzt durch den Fall des Aktivisten Sonam Wangchuk, der nach mehr als drei Wochen Hungerstreik gegen seinen Willen in ein Krankenhaus gebracht worden war.
Foto: Wikimedia Commons / A Cricket Premi, CC BY-SA 4.0