Russlands Schattenkrieg wächst
Ein EBU-Recherchenetzwerk hat Hunderte mutmaßliche hybride Vorfälle in 17 europäischen Ländern erfasst. Die Fälle reichen von Sabotageversuchen bis zu Drohneneintritten und zeigen laut Fachleuten eine neue Grauzone zwischen Krieg und Frieden.

Foto: Pavel Kazachkov / Wikimedia Commons, CC BY 2.0
Mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine nimmt auch der Druck auf Europa zu: Ein Recherchenetzwerk der European Broadcasting Union (EBU), an dem auch der ORF beteiligt ist, hat Hunderte gemeldete Vorfälle in 17 europäischen Ländern zwischen dem 1. April und dem 15. Oktober zusammengetragen. Erfasst wurden Fälle, die öffentlich als hybride Angriffe beschrieben und von Behörden, Regierungen oder Medien mit Russland in Verbindung gebracht wurden.
Zuletzt registrierten litauische Behörden einen versuchten Brandanschlag auf ein Unternehmen, in dem Ausrüstung für das US-Kommunikationssystem Starlink untergebracht ist. Das Satellitennetz spielt eine wichtige Rolle für die ukrainische Verteidigung. Litauens Regierungschef Mindaugas Sinkevicius wertete den Fall als Teil russischer hybrider Kriegsführung und verwies auf ähnliche Entwicklungen in ganz Europa.
Von Sabotage bis Luftraumverletzung
Die Auswertung konzentriert sich auf physische Vorfälle. Dazu zählen nicht digitale Angriffe, sondern konkrete Ereignisse am Boden und in der Luft. Die Zahl auf der Karte gilt laut Recherche ausdrücklich als vorsichtige Schätzung, weil nicht veröffentlichte oder geheim gehaltene Fälle nicht enthalten sind.
- Sabotageversuche
- Luftraumverletzungen
- instrumentalisierte Migration
- offene militärische Aktivitäten nahe europäischer Grenzen
- Einsätze von Akteuren ohne formale Geheimdienstausbildung
Nicht berücksichtigt wurden dagegen Cyberangriffe, Desinformationskampagnen und klassische Spionage durch ausgebildete Geheimdienstmitarbeiter. Viele Markierungen auf der Karte stehen außerdem nicht nur für einzelne Taten, sondern für mehrere ähnliche Vorfälle in kurzer Zeit oder in benachbarten Regionen.
Moldau meldet dutzende Drohneneintritte
Wie dicht diese Vorfälle inzwischen auftreten, zeigt das Beispiel Moldau: Verteidigungsminister Anatolie Nosatii erklärte Ende September, die Regierung habe im Jahr 2026 84 Drohneneintritte registriert. Fachleute sehen darin ein Zeichen dafür, dass die Grenze zwischen Frieden und Krieg in Europa immer unschärfer wird. Eine allgemein anerkannte Definition für hybriden Krieg gibt es zwar nicht, doch klar ist: Die Methoden reichen längst weit über das klassische Schlachtfeld hinaus.
Quelle: ORF