Russlands App greift tief ein
In Russland wird die Super-App Max massiv gefördert und ist laut Recherchen inzwischen der meistgenutzte Messenger des Landes. Eine Untersuchung zeigt weitreichende Zugriffe auf Nachrichten, Zahlungsdaten und Gerätefunktionen.

Die russische Super-App Max wird offiziell als heimische Alternative zu Telegram und WhatsApp vermarktet – und ist inzwischen laut SRF der meistgenutzte Messenger des Landes. Das Prinzip erinnert an Chinas Wechat: Viele digitale Dienste laufen gebündelt über eine einzige Plattform. Genau das macht die App für viele Nutzerinnen und Nutzer immer schwerer vermeidbar.
Brisant sind nun die Ergebnisse einer Recherche des „Guardian“. Demnach soll Max ohne Wissen der Betroffenen Bildschirmaufnahmen auf den Geräten anfertigen können. Außerdem könne die App auf Inhalte aus eingebundenen Anwendungen zugreifen, darunter Nachrichten und Zahlungsinformationen. Laut der Recherche sei es sogar möglich, dass Max im Namen der Nutzer handelt, ohne dass diese es bemerken.
Pflicht-App für Alltag und Ausbildung
Die russischen Behörden haben die Verbreitung der App seit ihrer Einführung vor rund eineinhalb Jahren stark vorangetrieben. Besonders für bestimmte Gruppen wird der Verzicht offenbar zunehmend unrealistisch. Betroffen sind unter anderem:
- Angestellte im öffentlichen Dienst
- Studierende
- Lehrpersonen und Eltern im Schulbetrieb
Im Bildungsbereich läuft dem Bericht zufolge ein großer Teil der Kommunikation bereits über Max. Hausaufgaben, Mitteilungen und weitere Informationen zu Schülerinnen und Schülern würden dort verschickt. Ein Student gab laut Recherche an, die App installieren zu müssen, weil ohne einen von Max erzeugten QR-Code weder Uni-Gebäude noch Wohnheime zugänglich seien.
Kontrolle für viele – Ausnahmen für wenige
Der Vergleich mit Wechat liegt nicht nur wegen des Funktionsumfangs nahe, sondern auch wegen der Möglichkeiten staatlicher Kontrolle. Während sich ein solches System in China über Jahrzehnte entwickelt habe, sei es in Russland in deutlich kürzerer Zeit vorangetrieben worden – in einem Umfeld, das früher wesentlich offener gewesen sei.
Auffällig ist laut „Guardian“ aber auch: Ausgerechnet kremlnahe Kreise sollen weiterhin andere Messenger wie Telegram oder Signal nutzen. Manche hätten sich demnach sogar ein zweites Smartphone zugelegt, auf dem nur Max installiert ist, während die übrige Kommunikation weiter über andere Apps läuft.
Quelle: SRF