Massenproteste in Frankreich
In Frankreich haben erneut Hunderttausende für höhere Löhne, mehr Bildungsgeld und Steuergerechtigkeit demonstriert. Laut Innenministerium gingen 575.000 Menschen auf die Straße, die CGT sprach von fast 1,6 Millionen.

Frankreich erlebt den bislang größten Protesttag dieses Herbstes: Hunderttausende Menschen sind nach Behördenangaben landesweit auf die Straße gegangen, um bessere Lebensbedingungen zu fordern. Im Mittelpunkt standen höhere Löhne, mehr Geld für Schulen und Universitäten sowie mehr Steuergerechtigkeit. Nach Angaben des Innenministeriums beteiligten sich 575.000 Menschen, der Gewerkschaftsbund CGT sprach sogar von fast 1,6 Millionen Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei mehr als 200 Demonstrationen.
Streiktag mit breiter Unterstützung
Getragen wurde der Aktionstag von Gewerkschaften, Schüler- und Studierendenverbänden sowie der Gelbwesten-Bewegung. Parallel zu den Demonstrationen kam es auch zu einem Streik im öffentlichen Dienst. Etwa zehn Prozent der Beschäftigten legten nach den Angaben aus Frankreich die Arbeit nieder. Die Protestwelle rollt damit weiter durchs Land und hält nun schon seit fast zwei Monaten an.
- Forderungen: höhere Gehälter, mehr Geld für Bildung, Steuergerechtigkeit
- Mehr als 200 Demonstrationen im ganzen Land
- Rund zehn Prozent Streikbeteiligung im öffentlichen Dienst
Gewalt überschattet den Protest
Weitgehend friedlich blieb der Tag dennoch nicht. Das Innenministerium meldete Angriffe auf Einsatzkräfte, Brandstiftungen und schwere Sachbeschädigungen in mehreren Großstädten, darunter Rennes, Marseille, Nantes, Lyon, Bordeaux und Straßburg. Auch aus Paris wurden Gewalttaten gemeldet. Landesweit zählten die Behörden in einer vorläufigen Bilanz 448 Festnahmen, 53 verletzte Polizisten und 86 Brandstiftungen.
Besonders alarmierend waren Vorfälle an Schulen. In mehreren Städten wurde Schulpersonal mit Feuerwerkskörpern beschossen und verletzt. Im Pariser Vorort La Courneuve wurde ein Schüler bei einer Schulblockade mit einem Messer attackiert. In Toulouse drangen Randalierer in eine Schule ein, legten Feuer, verwüsteten Räume und zerstörten Computer.
Um neue Plünderungen zu verhindern, setzten die Behörden landesweit 70.000 Polizisten ein, unterstützt von Panzerfahrzeugen, Drohnen und Hubschraubern. In Paris blieb der Eiffelturm wegen des Streiks geschlossen, zudem fielen zahlreiche Regionalzüge aus. Mehrere Innenstädte wurden für Kundgebungen gesperrt. Nach den schweren Ausschreitungen der vergangenen Wochen war das Land damit erneut im Ausnahmezustand.
Quelle: Tagesschau