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Musik & Film26. Juli 2026, 13:01 Uhr · von Redaktion

Rasches „Faust“ dreht auf

Bei den Salzburger Festspielen hat Regisseur Ulrich Rasche „Faust I“ als düstere, radikal gekürzte Maschinen-Inszenierung auf die Bühne gebracht. Auf der Pernerinsel trägt vor allem die rotierende Bühne die Seelenreise des Verzweifelten.

Rasches „Faust“ dreht auf

Die erste Schauspielpremiere der Salzburger Festspiele setzt auf Wucht statt Wohlgefühl: Regisseur Ulrich Rasche hat Goethes „Faust I“ auf der Pernerinsel in Hallein als strenges, finsteres Theaterexperiment eingerichtet. Die Fassung ist deutlich verdichtet, das Personal auf fünf Darstellerinnen und Darsteller reduziert. Trotzdem – oder gerade deshalb – rückt der Abend die innere Zerrissenheit der Hauptfigur umso schärfer in den Mittelpunkt.

Maschine, Kreis, Korridor

Rasches Handschrift zeigt sich vor allem in der Bühne: Eine langsam rotierende Scheibe mit gegenläufigem Innenring zwingt das Ensemble in permanente Bewegung. Dazu kommen zwei große rechteckige Lichtkästen, die mal wie eine Projektionsfläche wirken, mal über der Szene schweben und sich dann wieder zu einem engen Tunnel zusammenschieben. Genau dort wird Faust auf sich selbst zurückgeworfen – als würde die Inszenierung seine verdrängten Anteile sichtbar machen.

  • Spielort: nacktes Bühnenhaus auf der Pernerinsel in Hallein
  • Dauer: mehr als dreieinhalb Stunden
  • Konzept: stark gekürzter Text, reduzierte Figuren, präzise Bühnenmechanik

Im Zentrum steht Steven Scharf als älterer Faust, der auf der Kreisbahn beinahe gegen Stillstand und Schwerkraft ankämpft. Seine Figur wirkt nicht souverän, sondern gehetzt, verkrampft und verunsichert. In dem Tunnelmoment spaltet sich sein Ich auf: Ein junger Faust, gespielt von Johannes Nussbaum, schält sich aus ihm heraus. So wird aus dem klassischen Gelehrtendrama eine vielschichtige Seelenuntersuchung.

Mephisto übernimmt die Kontrolle

Eine zentrale Kraft des Abends ist Valery Tscheplanowa. Zunächst erscheint sie als Geist, später beherrscht sie als Mephistopheles mit jeder Geste das Geschehen. Im Anzug wie Faust gekleidet, führt sie den Getriebenen mit Charme und Hinterlist aus dem Studierzimmer hinaus. Gerade in diesem kontrollierten, technisch durchkomponierten Raum bekommt Goethes Sprache ein neues Gewicht – klar, hart und ohne dekorativen Ballast.

Rasches Inszenierung kreist damit nicht nur bildlich, sondern auch inhaltlich um ihren Helden. Der Abend schaut weniger auf die äußere Handlung als auf die vielen Schichten eines Menschen, der an sich selbst verzweifelt. Genau darin liegt die Stärke dieser Salzburger Premiere: Sie macht aus dem vertrauten Stoff eine beklemmende, hochkonzentrierte Selbstbefragung.