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Politik15. Juli 2026, 07:01 Uhr · von Redaktion

Putsch-Nacht prägt Türkei bis heute

Zehn Jahre nach dem gescheiterten Umsturz vom 15. Juli 2016 feiert die Türkei den Jahrestag landesweit. Präsident Recep Tayyip Erdogan nutzte die Folgen des Putschversuchs, um seine Macht auszubauen; mehr als 250 Menschen starben.

Putsch-Nacht prägt Türkei bis heute

Der gescheiterte Umsturzversuch vom 15. Juli 2016 wirkt in der Türkei bis heute nach. Zehn Jahre später wird der Jahrestag landesweit als „Tag der Demokratie und der Nationalen Einheit“ begangen, besonders groß in Ankara. Präsident Recep Tayyip Erdogan lädt dazu in den riesigen Baskent-Millet-Park, wo das Jubiläum unter dem Motto „Unser Wille – unser Sieg“ gefeiert wird.

Eine Nacht, die alles veränderte

In der Nacht auf den 16. Juli 2016 stellten sich in Ankara und Istanbul Teile des Militärs gegen die Regierung. Panzer rollten auf, es kam zu heftigen Zusammenstößen mit Zivilistinnen und Zivilisten sowie regierungstreuen Sicherheitskräften. Auch das Parlament und Büros des Geheimdiensts MIT in Ankara wurden angegriffen. Erdogan selbst entkam in Marmaris nur knapp einem Anschlag, als eine Gruppe Putschisten zu seinem Urlaubsort flog.

  • Mehr als 250 Tote in nur einer Nacht
  • Angriffe in Ankara und Istanbul
  • Erdogan entkam einem Attentat in Marmaris

Die Regierung machte schnell den Prediger Fethullah Gülen und dessen Bewegung für den Umsturzversuch verantwortlich. Gülen, einst mit Erdogan verbündet und später in den USA lebend, wies jede Beteiligung immer zurück. Dennoch stand seine Bewegung schon lange im Verdacht, Polizei und Militär unterwandert zu haben.

Ausnahmezustand und harte Folgen

Nach dem gescheiterten Putsch folgten Ausnahmezustand, Verfassungsänderungen und massive Säuberungen. Die Regierung ging nicht nur gegen mutmaßliche Putschisten und Gülen-Anhänger vor, sondern auch gegen Oppositionelle. Hunderttausende Menschen wurden festgenommen, mehr als 100.000 Staatsbedienstete per Dekret entlassen. Betroffen waren unter anderem Lehrkräfte, Ärztinnen und Ärzte, Juristinnen und Juristen, Forschende und Polizisten. Viele Medien und Verlage wurden geschlossen.

Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu wurden insgesamt 4.891 Personen verurteilt. Menschenrechtler kritisieren die Folgen der Massenentlassungen scharf: Viele Betroffene seien ohne abgeschlossenen Gerichtsprozess gesellschaftlich abgestempelt worden. So bleibt der gescheiterte Putsch nicht nur als dramatische Nacht in Erinnerung, sondern auch als Wendepunkt, der das politische System der Türkei dauerhaft verändert hat.

Foto: Wikimedia Commons / Russian Presidential Executive Office, CC BY 4.0