Protest erzwingt Minister-Rücktritt
In Indien ist Bildungsminister Dharmendra Pradhan nach wochenlangen Protesten der „Kakerlaken“-Bewegung zurückgetreten. Auslöser war ein Skandal um geleakte Prüfungsunterlagen, von dem mehr als 2 Millionen Bewerber betroffen waren.

Die Proteste in Indien haben ein erstes großes politisches Opfer gefordert: Bildungsminister Dharmendra Pradhan ist zurückgetreten. Das teilte der Politiker selbst auf X mit, nachdem er sein Rücktrittsschreiben an Premierminister Narendra Modi übergeben hatte. Für die Regierung ist das ein deutliches Signal, denn die Demonstrationen gegen Missstände im Bildungssystem liefen seit Wochen und setzten Neu-Delhi massiv unter Druck.
Bewegung erklärt Proteste für beendet
Der Rücktritt gilt als wichtiges Entgegenkommen gegenüber der sogenannten „Kakerlaken“-Bewegung. Nach Gesprächen mit Regierungsvertretern erklärte deren Sprecher Ashutosh Ranka, die Regierung habe sämtliche Forderungen akzeptiert. Deshalb sollten die Menschen das Protestcamp nun friedlich verlassen. Unter den Tausenden Demonstrierenden in Neu-Delhi sorgte die Nachricht für Jubel. Auch der Gründer der Bewegung, Abhijeet Dipke, wertete den Rücktritt als Erfolg.
Auslöser der Protestwelle war ein Skandal um geleakte Unterlagen für einen der wichtigsten Hochschul-Aufnahmetests des Landes. Dadurch mussten mehr als 2 Millionen Bewerber die Prüfung erneut ablegen. Viele junge Menschen machten Pradhan politisch für die Probleme im Bildungssystem verantwortlich.
Von einem Meme zur Massenbewegung
Entstanden war die Bewegung zunächst als satirische Reaktion auf Berichte über eine Äußerung des Vorsitzenden Richters am Obersten Gerichtshof, der arbeitslose junge Menschen demnach als „Kakerlaken“ und „Parasiten“ bezeichnet haben soll. Inzwischen ging es längst nicht mehr nur um Prüfungen. Die Protestierenden verbanden damit deutlich größere Forderungen:
- Reformen im Bildungssystem
- mehr Jobs für junge Menschen
- einen breiteren gesellschaftlichen Wandel
Zuletzt war die Lage in der Hauptstadt eskaliert. Als Demonstrierende in Richtung Parlament ziehen wollten, griff die Polizei mit Schlagstöcken und Tränengas ein. Dabei wurden Dutzende Menschen verletzt. Die Proteste zählen damit zu den größten innenpolitischen Belastungsproben für Premierminister Narendra Modi seit Beginn seiner dritten Amtszeit.