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Politik9. Juli 2026, 15:01 Uhr · von Redaktion

Polen-Streit trifft Kyjiw

Zwischen Polen und der Ukraine verschärft sich der Konflikt. Beim NATO-Gipfel in Ankara fanden Präsident Karol Nawrocki und Wolodymyr Selenskyj keinen Ausweg – jetzt gerät sogar die polnische Militärhilfe für Kyjiw unter Druck.

Polen-Streit trifft Kyjiw

Die Beziehungen zwischen Polen und der Ukraine sind schwer belastet. Auslöser der jüngsten Empörung ist eine Entscheidung von Präsident Wolodymyr Selenskyj, einer ukrainischen Militäreinheit den Ehrentitel „Helden der UPA“ zu verleihen. In Polen ist die UPA historisch extrem umstritten: Sie gilt dort als verantwortlich für den Mord an 100.000 polnischen Zivilisten im Zweiten Weltkrieg.

Treffen in Ankara ohne Durchbruch

Beim NATO-Gipfel in Ankara suchten Polens Präsident Karol Nawrocki und Selenskyj am Mittwoch, dem 8. Juli 2026, nach einem Weg aus der Krise. Nach dem rund einstündigen Gespräch machte Nawrocki jedoch klar, dass es keinen Fortschritt gab. Vor allem bei den historischen Streitfragen blieben beide Seiten voneinander entfernt. Der polnische Präsident bekräftigte zudem, dass eine Verherrlichung der UPA für Warschau nicht akzeptabel sei.

Brisant ist die Lage auch deshalb, weil Polen die Ukraine seit dem russischen Angriff vom 24. Februar 2022 massiv mit Waffen und Ausrüstung unterstützt hat. Diese Zusammenarbeit galt lange als innenpolitisch weitgehend unantastbar. Nun nutzt die rechtskonservative und rechtsextreme Opposition den Konflikt, um die Mitte-Links-Regierung von Premier Donald Tusk anzugreifen.

Patriot-Raketen werden zum Politikum

Im Zentrum der neuen Debatte stehen polnische Patriot-Abfangraketen, die laut Oppositionspolitikern an Kyjiw geliefert worden sein sollen. Krzysztof Bosak von der Partei Konfederacja Wolnosc i Niepodleglosc behauptete, die Regierung habe im März solche Raketen abgegeben und dies vor dem Sejm verborgen. Er sprach von den einzigen Exemplaren, die die polnische Armee zur Abwehr russischer Iskander-Raketen besitze.

  • Die Opposition wirft der Regierung vor, Polens eigene Verteidigung zu schwächen.
  • Zugleich steht der Vorwurf im Raum, Warschau habe bei bestellten US-Waffen zugunsten der Ukraine zurückgesteckt.
  • PiS-Politiker Przemyslaw Czarnek spricht von einem Verlust strategischer Waffen ohne Wissen von Parlament und Präsident.

Damit ist ein Tabu gefallen: Erstmals wird die Militärhilfe für die Ukraine in Polen offen zum Wahlkampfthema. Der historische Streit zwischen beiden Nachbarn könnte so direkte Folgen für Kyjiws Unterstützung bekommen.