Papst setzt Zeichen auf Lampedusa
Auf Lampedusa hat Papst Leo XIV. an tote Bootsflüchtlinge erinnert und den Einsatz seines Vorgängers für Migranten gewürdigt. Zugleich forderte er von der EU einen langfristigen, menschenwürdigen Kurs.

Papst Leo XIV. hat bei einem Besuch auf Lampedusa an die vielen Todesopfer auf der Fluchtroute über das Mittelmeer erinnert. Auf der italienischen Insel, die für viele Migranten und Geflüchtete zum ersten Berührungspunkt mit Europa wird, segnete er eine Gedenktafel für Papst Franziskus. Der bisherige Molo Favaloro im Hafen trägt nun den Namen Molo Papa Francesco.
Der rund 150 Meter lange Pier ist seit Jahren ein zentraler Ankunftsort für Menschen, die die gefährliche Überfahrt überlebt haben. Dort legen sowohl Boote an, die es noch aus eigener Kraft bis zur Insel schaffen, als auch Schiffe der Seenotrettung, die Gerettete an Land bringen. Die neue Gedenktafel beschreibt den Ort als Platz der Ankunft, der Hoffnung und der Menschlichkeit.
Erinnerung an eine tödliche Route
Besonders eng ist Lampedusa mit dem schweren Bootsunglück von 2013 verbunden. Damals starben vor der Insel 368 Flüchtlinge und Migranten. Seither kamen auf der Mittelmeerroute noch viele weitere Menschen ums Leben. Nach Angaben des Projekts „Missing Migrants“ der Internationalen Organisation für Migration wurden seit 2014 im Mittelmeer 35.070 Tote und Vermisste registriert, Stand 4. Juli.
Franziskus hatte Lampedusa schon Monate vor dem Unglück besucht und die Insel bewusst zum Ziel seiner ersten Papstreise gemacht. Er wollte damit auf das Schicksal von Bootsflüchtlingen aufmerksam machen. Papst Leo knüpfte nun an dieses Erbe an. Nach der Segnung sprach er am Pier auch kurz mit Bootsflüchtlingen, die aus dem Erstaufnahmelager der Insel dorthin gebracht worden waren.
Zugleich richtete der Papst einen Appell an die Europäische Union. Europa könne wegen seiner geografischen Lage und seiner Strukturen die Migrationskrise umfassend angehen, sagte er. Nötig sei aus seiner Sicht eine langfristige Strategie, die Migranten aufnimmt, schützt, fördert und integriert. Gleichzeitig müsse daran gearbeitet werden, dass Menschen ihre Heimat gar nicht erst aus Zwang verlassen müssen — und zwar immer unter Wahrung ihrer Würde.