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Politik12. September 2026, 19:01 Uhr · von Redaktion

Neustart für die Nähfabrik

In Wittenberge soll aus dem früheren Veritas-Nähmaschinenwerk ein neues Quartier werden. Auf dem rund 100.000 Quadratmeter großen Industriegelände sind für etwa 250 Millionen Euro Hotel, Gastronomie, Kultur und neue Arbeitsplätze geplant.

Neustart für die Nähfabrik

Foto: Torsten Bätge / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Aus einer verlassenen Fabrik soll in Wittenberge ein neues Stadtviertel werden: Auf dem Gelände des früheren Veritas-Nähmaschinenwerks plant ein privater Investor die Umnutzung des historischen Areals. Auf rund 100.000 Quadratmetern sollen künftig nicht mehr Nähmaschinen gebaut werden, sondern unter anderem Gäste übernachten, Firmen arbeiten und Veranstaltungen stattfinden.

Das Vorhaben hat eine beachtliche Größe: Laut Investor Renaud Vercouter De Gambs sind rund 250 Millionen Euro für die Entwicklung des Standorts vorgesehen. Geplant sind Gastronomie und ein Hotel, dazu soll das ehemalige Werk auch Platz für Kunst- und Kulturveranstaltungen bieten. Gleichzeitig geht es laut den Plänen nicht nur um Tourismus, sondern ebenso um Bildung, Forschung, Technik, Innovation und neue Jobs.

Vom Industriestandort zur Zukunftsfläche

Das Werk war über Jahrzehnte ein zentraler Arbeitgeber der Stadt. Schon seit dem frühen 20. Jahrhundert wurden in den Hallen Nähmaschinen hergestellt, zunächst durch den US-Konzern Singer. Zu DDR-Zeiten galt der Standort als besonders modern, kurz vor der Wiedervereinigung arbeiteten dort rund 3.200 Menschen. Mit der Liquidation im Jahr 1992 endete die Produktion, viele Arbeitsplätze gingen verloren. Seitdem stehen große Teile des Geländes leer, mit kaputten Fenstern und bröckelnden Fassaden.

  • früheres Nähmaschinenwerk in Wittenberge
  • Liquidation: 1992
  • frühere Beschäftigte: rund 3.200
  • neue Nutzung: Gewerbe, Kultur, Hotel und Gastronomie

Wittenberge setzt auf Lage und Wandel

Die Stadt versucht seit Jahren, sich neu aufzustellen. Bürgermeister Oliver Hermann wirbt dafür, Wittenberge nicht nur als Urlaubsort, sondern auch als Wohn- und Arbeitsstandort sichtbarer zu machen. Dabei hilft die Lage zwischen Berlin und Hamburg ebenso wie der ICE-Anschluss. Zusätzliche Hoffnung setzt die Stadt auf die Landesgartenschau 2027, die Wittenberge weiteren Rückenwind geben könnte.

Dass die Wiederbelebung alter Industrieflächen funktionieren kann, zeigt in Wittenberge bereits ein anderes Beispiel: die Alte Ölmühle. Nun soll auch das frühere Veritas-Werk vom Symbol des Strukturwandels zu einem Ort werden, der Vergangenheit und Zukunft miteinander verbindet.

Quelle: Tagesschau