Neue jüdische Akademie eröffnet
In Frankfurt ist die Jüdische Akademie eröffnet worden. Der Zentralrat der Juden schafft damit erstmals seit der Shoah eine überregionale Bildungseinrichtung; Bundespräsident Steinmeier rief zu mehr Einsatz gegen Antisemitismus auf.

In Frankfurt ist am Montag die neue Jüdische Akademie eröffnet worden. Für den Zentralrat der Juden in Deutschland ist es ein historischer Schritt: Erstmals seit der Shoah gibt es damit wieder eine überregionale Bildungseinrichtung dieser Art. Zur Eröffnung kam auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der den Anlass mit einem klaren Appell gegen Antisemitismus verband.
Schon zum Auftakt wurde die symbolische Bedeutung des Hauses sichtbar: Der Frankfurter Gemeinderabbiner Avichai Appel brachte eine Mesusa am Türrahmen an. Das neue Zentrum an der Senckenberg-Anlage vereint eine sanierte ältere Villa mit einem modernen Neubau. Laut Co-Direktorin Sabena Donath spiegelt genau diese Architektur auch das Selbstverständnis der Akademie wider: Sie will Tradition und Gegenwart zusammenbringen.
Ort für Debatte und Begegnung
Die Akademie hat rund 40 Millionen Euro gekostet und soll mehr sein als ein klassischer Lernort. Geplant ist ein offenes Haus für Austausch, Diskussion und Bildung. Steinmeier beschrieb die Einrichtung als einen Platz für Jüdinnen und Juden ebenso wie für Nichtjuden, die mehr verstehen wollen. Für Frankfurt und darüber hinaus sei das eine Bereicherung für das geistige Leben.
- erstmals nach der Shoah wieder eine überregionale jüdische Bildungseinrichtung
- Standort: Frankfurt am Main
- Kosten des Projekts: rund 40 Millionen Euro
Aufklärung als Antwort auf Hass
Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, machte zugleich deutlich, wie ernst die Lage aus seiner Sicht ist: Jüdisches Leben in Deutschland sei derzeit so bedroht wie seit der Shoah nicht mehr. Gerade deshalb sieht er in der Akademie die Chance, Hass mit Offenheit und Aufklärung zu begegnen. Es solle nicht nur um Judenfeindlichkeit und Antisemitismus gehen, sondern auch um die Vielfalt jüdischer Tradition und jüdischen Lebens.
Auch Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef hob die Bedeutung des jüdischen Bürgertums für die Entwicklung der Stadt hervor. Die neue Akademie könne daran anknüpfen, Menschen zusammenbringen und das Miteinander stärken. Genau darin liegt ihr Anspruch: Vergangenheit nicht nur zu erinnern, sondern jüdisches Leben in der Gegenwart sichtbar und erfahrbar zu machen.
Quelle: Tagesschau