Merz drückt bei KI aufs Tempo
Beim Digitalgipfel in Berlin hat Kanzler Friedrich Merz mehr Tempo für Künstliche Intelligenz gefordert. Deutschland soll bis 2030 zur KI-Nation werden, doch Experten warnen: Das Zeitfenster wird schnell kleiner.

Deutschland soll bei Künstlicher Intelligenz deutlich schneller vorankommen. Beim Digitalgipfel der Bundesregierung in Berlin hat Bundeskanzler Friedrich Merz mehr Tempo im internationalen Wettbewerb verlangt. Sein Ziel: Deutschland und Europa sollen digitale Technologien nicht nur entwickeln, sondern sie auch viel konsequenter einsetzen.
Merz stellte dafür eine Doppelstrategie vor. Kurzfristig soll die Entwicklung von KI-Modellen gefördert werden, die sich direkt in der Industrie nutzen lassen und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen stärken. Gleichzeitig soll die Forschung an künftigen Systemen weiterlaufen, unter anderem im Bereich der sogenannten physischen KI.
Weniger Abhängigkeit von USA und China
Ein zentrales Thema des Gipfels ist die digitale Souveränität. Nach den Vorstellungen der Bundesregierung soll Deutschland technologische Abhängigkeiten von großen Konzernen aus den USA und China verringern. Merz setzt dabei auf Zusammenarbeit mit Partnern wie Frankreich und Kanada, um Wissen auszutauschen und Lieferketten breiter aufzustellen. Zugleich betonte er, dass KI-Entwicklung mit Werten und Sicherheitsinteressen vereinbar bleiben müsse.
Grundlage der Debatte ist ein Papier einer KI-Taskforce, die im Sommer unter Leitung des Digitalministeriums vom Nationalen Sicherheitsrat eingesetzt worden war. Das Ziel ist klar formuliert: Deutschland soll bis 2030 zur „KI-Nation“ werden. Dafür nennt der Plan mehrere konkrete Marken:
- mindestens 80 Prozent der Großunternehmen sollen KI nutzen
- 55 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen sollen KI einsetzen
- die Zahl der KI-Start-ups soll sich verdreifachen
- mehr als zehn Prozent der Wirtschaftsleistung sollen KI-basiert entstehen
Experten sehen wenig Zeit
Beim zweitägigen Treffen beraten Regierungsvertreter, Fachleute und Tech-Unternehmer aus verschiedenen Ländern über Chancen, Risiken und Folgen von KI. Nach Einschätzung der Bundesregierung werden die nächsten eineinhalb Jahre entscheidend dafür sein, ob Deutschland im Rennen den Anschluss hält. Experten warnen bereits, dass sich der Abstand zu den führenden KI-Standorten USA und China trotz guter Forschungsbasis weiter vergrößern könnte. Der Tenor in Berlin: Noch ist der Zug nicht abgefahren – aber viel Spielraum bleibt nicht mehr.
Quelle: Tagesschau