NATO soll europäischer werden
Nach dem NATO-Gipfel in Ankara sieht die Sicherheitsexpertin Stefanie Babst vor allem Europa und Kanada in der Pflicht. Trotz versöhnlicher Töne von Donald Trump müsse die Allianz ihre Eigenständigkeit nun schnell ausbauen.

Nach dem NATO-Gipfel in Ankara bleibt vor allem eine Botschaft hängen: Für die europäischen NATO-Staaten und Kanada wird es ernst. Die Sicherheitsexpertin Stefanie Babst sieht nach dem Treffen einen klaren Kurswechsel: Die Allianz müsse stärker von ihren europäischen Mitgliedern getragen werden, weil auf US-Präsident Donald Trump auch weiterhin kein verlässlicher Kurs zu erwarten sei.
Babst beschreibt das Treffen im Kern als zwei sehr unterschiedliche Gipfel. Einerseits habe Trump wie gewohnt mit Attacken, Drohungen und Kritik an Verbündeten Schlagzeilen produziert. Andererseits habe es in der eigentlichen Sitzung des Nordatlantikrates konkrete Ergebnisse gegeben. Dazu zählen laut Babst höhere nationale Verteidigungsausgaben, gemeinsame Rüstungsprojekte und die Verständigung, die Ukraine auch mittel- und langfristig weiter zu unterstützen.
Zwischen Show und Substanz
Dass Trump am Ende demonstrativ auf Versöhnung gesetzt habe, ändert für Babst wenig an der Grundfrage. Entscheidend sei nicht die Rhetorik, sondern was die Mitgliedstaaten praktisch umsetzen. Aus ihrer Sicht haben die europäischen Verbündeten inzwischen verstanden, dass sie mehr Verantwortung übernehmen müssen, auch weil aus Washington weiter politische Unruhe kommen dürfte.
- mehr nationale Ausgaben für Verteidigung
- gemeinsame Rüstungsprojekte der Verbündeten
- weitere Unterstützung für die Ukraine
Europa muss liefern
Babst macht zugleich deutlich, dass Ankündigungen allein nicht reichen. Der oft beschworene europäische Pfeiler der NATO sei bisher nie wirklich klar definiert und mit Inhalt gefüllt worden. Genau das müsse jetzt geschehen. In den kommenden Wochen und Monaten komme es darauf an, die europäische Rolle innerhalb der Allianz nicht nur politisch zu betonen, sondern praktisch auszubauen.
Für die Expertin ist damit nach Ankara nicht alles entschieden, sondern die eigentliche Arbeit beginnt erst. Der Gipfel habe zwar wichtige Signale gesetzt, doch ob daraus echte Abschreckungsfähigkeit wächst, werde sich erst an der Umsetzung zeigen. Klar ist für Babst schon jetzt: Die Europäisierung der NATO ist kein Schlagwort mehr, sondern eine Aufgabe mit hohem Tempo.
Foto: Wikimedia Commons / Jindřich Nosek (NoJin), CC BY 4.0