NATO ringt in Ankara
Beim NATO-Gipfel in Ankara wirbt Bundeskanzler Friedrich Merz für mehr Geschlossenheit und neue Ukraine-Hilfen von 140 Milliarden Euro in zwei Jahren. US-Präsident Donald Trump sorgt zugleich mit Kritik am Bündnis für Unruhe.

Beim NATO-Gipfel in Ankara prallen Hoffnung und Misstrauen offen aufeinander. Bundeskanzler Friedrich Merz setzt auf einen neuen Zusammenhalt im Bündnis und spricht von einem möglichen „Geist von Ankara“. Aus seiner Sicht könnte das Treffen sogar ein Wendepunkt im russischen Krieg gegen die Ukraine werden. Merz hofft, dass dem Kreml klar wird, seine Kriegsziele nicht erreichen zu können.
Merz drängt auf Stärke
Deutschland verweist in Ankara auf eine aktive Rolle bei den Hilfen für Kiew. Nach den Beschlüssen sollen in den kommenden zwei Jahren 140 Milliarden Euro für die Ukraine bereitstehen. Merz betont dabei, dass die höheren Verteidigungsausgaben nicht aus Gefälligkeit gegenüber den USA erfolgen, sondern aus eigenem Sicherheitsinteresse. Seine Botschaft: Russland bleibe eine ernste Bedrohung und teste die Entschlossenheit des Westens täglich.
- 140 Milliarden Euro für die Ukraine in zwei Jahren
- Deutschland sieht sich bei Verteidigungsausgaben in einer Führungsrolle
- Merz warnt vor der anhaltenden Bedrohung durch Russland
Selenskyj erhöht den Druck
Schon vor der Ankunft von Merz trafen sich NATO-Generalsekretär Mark Rutte und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in Ankara. Selenskyj nutzte den Gipfel, um seine zentrale Forderung erneut unmissverständlich zu platzieren: Die Ukraine will in die NATO. Zugleich machte er klar, dass seinem Land trotz aller Finanzzusagen vor allem Luftverteidigung fehlt, um russische Raketen abzufangen. Gerade diese Wünsche dürften auf dem Gipfel aber schwer oder gar nicht zu erfüllen sein.
Zusätzliche Spannung bringt Donald Trump nach Ankara. Der US-Präsident wurde als einziger Staatschef von Präsident Erdogan schon am Flughafen empfangen und anschließend mit militärischen Ehren im Palast begrüßt. Doch statt nur auf freundliche Gipfelbilder zu setzen, ließ Trump schnell erkennen, dass er unzufrieden mit dem Bündnis ist. Damit wird deutlich: Die NATO kämpft in Ankara nicht nur um Unterstützung für die Ukraine, sondern auch um die eigene Geschlossenheit.
Foto: Wikimedia Commons / Steffen Prößdorf, CC BY-SA 4.0