Monchi warnt vor Dorf-Frust
Punksänger Jan „Monchi“ Gorkow blickt mit Sorge auf seine Heimat Jarmen in Mecklenburg-Vorpommern: Bei der Bundestagswahl 2025 wählten dort 54 Prozent die AfD. In seinem Buch ruft er dazu auf, sich vor Ort einzumischen statt nur zu protestieren.

Foto: Sven Mandel / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Jan „Monchi“ Gorkow, Frontmann von Feine Sahne Fischfilet, erzählt in seinem Buch von einer Rückkehr, die ihn politisch und persönlich aufgerüttelt hat. Der Sänger wuchs im mecklenburg-vorpommerschen Jarmen auf, einem Ort mit rund 3000 Einwohnern. Als Jugendlicher wollte er vor allem weg, später zog es ihn als Vater wieder zurück in die Heimat – dorthin, wo Kindergarten, Supermarkt, See und Familie nah beieinanderliegen.
Schock nach der Rückkehr
Die neue Nähe zum Dorfleben bekam für ihn jedoch schnell eine politische Schwere. Bei der Bundestagswahl im Februar 2025 erreichte die AfD in Jarmen laut Monchi 54 Prozent. Für den Musiker war das ein harter Einschnitt. Er beschreibt, wie sich das Zusammenleben verändert, wenn in einer kleinen Gemeinde plötzlich ständig die Frage mitschwingt, wer politisch wo steht.
Gerade auf dem Land, so seine Erfahrung, funktioniere einfaches Freund-Feind-Denken nicht. Monchi, der seit Jahren klar Haltung gegen rechts zeigt, sagt sinngemäß: Je näher man den Menschen sei, desto schwieriger werde pauschaler Hass. Diese Erfahrung steht im Zentrum seines Buchs „Jenseits der Brandmauer“, in dem es nicht nur um den gesellschaftlichen Rechtsruck, sondern auch um seinen eigenen Blick auf Widerstand und Verantwortung geht.
Mehr machen statt nur reagieren
Der 38-Jährige zieht darin auch Bilanz über frühere Formen des Protests. Jahrelang sei man rechten Demos und AfD-Ständen hinterhergefahren – doch bloßes Reagieren bringe politisch wenig und zermürbe auf Dauer. Sein Fazit: Wer die Entwicklung vor Ort verändern will, muss selbst mitgestalten.
- Mit seiner Band organisiert er seit Jahren ein Musikfestival in der Provinz.
- In Jarmen half er trotz bürokratischer Hürden beim Aufbau eines Skateparks.
- Sein Appell: nicht flüchten, nicht erstarren, sondern die Stimmung im Ort aktiv mitprägen.
Monchis Botschaft ist damit auch eine an alle, die sich über Spaltung und Rechtsruck ärgern: Nicht nur schimpfen, sondern im eigenen Umfeld anpacken. Für ihn beginnt politischer Widerstand nicht erst auf der großen Bühne, sondern direkt vor der eigenen Haustür.
Quelle: SRF