Modi unter Druck in Delhi
In Neu-Delhi wächst der Druck auf Premierminister Narendra Modi: Tausende protestieren wegen Skandalen im Bildungssystem, die Polizei ging mit Schlagstöcken und Tränengas gegen Demonstrierende vor. Auch die Opposition stellt sich inzwischen hinter die Bewegung.

Aus einem Internet-Meme ist in Indien eine handfeste Protestwelle geworden: Die sogenannte „Kakerlaken“-Bewegung setzt die Regierung von Premierminister Narendra Modi zunehmend unter Druck. In Neu-Delhi prägten in den vergangenen Tagen Bilder von Demonstrationen, Polizeieinsätzen und chaotischen Szenen die Nachrichtensender im ganzen Land.
Auslöser der aktuellen Wut sind mehrere Skandale im Bildungssystem. Tausende, vor allem junge Menschen, wollten mit einem Marsch zum Parlament den Rücktritt von Bildungsminister Dharmendra Pradhan erzwingen. Besonders brisant: Mehr als zwei Millionen angehende Medizinstudierende mussten eine Aufnahmeprüfung wiederholen, nachdem Aufgaben vorab bekannt geworden waren. Laut dem Bericht haben diese und weitere Vorfälle auch eine Reihe von Suiziden ausgelöst.
Polizei stoppt Marsch mit Gewalt
Die Polizei erklärte, die Kundgebung sei nicht genehmigt gewesen, und stoppte den Protest mit Schlagstöcken und Tränengas. Videos zeigen den harten Einsatz, beide Seiten sprechen von zahlreichen Verletzten. Ein 26-jähriger Content Creator schilderte, er habe über einen Zaun fliehen und sich hinter Büschen verstecken müssen, obwohl er sich als friedlichen Demonstranten versteht.
- Protestziel: Rücktritt des Bildungsministers
- Hintergrund: Leaks und Skandale bei Prüfungen
- Folgen: verletzte Demonstrierende und wachsender politischer Druck
Opposition stärkt den Demonstrierenden den Rücken
Hinter den Protesten steht die CJP, die sich selbst als „Kakerlaken-Volkspartei“ bezeichnet. Der ungewöhnliche Name geht auf eine frühere Äußerung von Indiens oberstem Richter zurück, der junge Arbeitslose mit Kakerlaken verglichen hatte und damit Empörung auslöste. Inzwischen erhält die Bewegung offen Unterstützung aus der Opposition: Rahul Gandhi und Mitglieder der Kongresspartei protestierten mit einer Sitzblockade vor Modis Residenz gegen den Polizeieinsatz, bevor sie von der Polizei abgeführt wurden.
Die Regierung hatte sich lange zurückgehalten, kündigte nun aber strengere Maßnahmen zum Schutz des Prüfungssystems an. Damit dürfte die Debatte aber kaum beendet sein. Denn für viele junge Inder geht es längst nicht nur um einzelne Prüfungen, sondern um die Frage, ob Bildung im Land noch fair und bezahlbar ist.