Merz und Macron auf Kuschelkurs
Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron haben in einer Woche gleich viermal beraten. Trotz vieler Harmonie-Signale bleiben Streitpunkte bei Energie, Finanzen und Rüstungsprojekten bestehen.

Eine ganze Woche lang setzten Friedrich Merz und Emmanuel Macron auf demonstrative Nähe. Mit mehreren gemeinsamen Ministertreffen und insgesamt vier Begegnungen der beiden Regierungschefs bekam die deutsch-französische Partnerschaft zuletzt viel Bühne. Besonders symbolträchtig war das Treffen am Freitag auf Schloss Augustusburg in Brühl – jenem Ort, der historisch eng mit den Anfängen der Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern verbunden ist.
Viele Bilder der Einigkeit
Auch der Auftritt von Merz beim französischen Nationalfeiertag in Paris sollte Geschlossenheit zeigen. Der Kanzler nahm an der Parade am 14. Juli teil, zuletzt war 2019 mit Angela Merkel ein deutscher Regierungschef dabei. Aus Berlin hieß es vorab, von einer Abkühlung zwischen beiden könne keine Rede sein. Im Gegenteil: Das Verhältnis sei gut und solle weiter gepflegt werden.
Doch hinter den starken Bildern bleiben die Unterschiede deutlich. Stefan Seidendorf vom Deutsch-Französischen Institut verweist darauf, dass die Kooperation alles andere als automatisch funktioniere. Gerade seit dem Amtsantritt von Merz habe sich gezeigt, wie unterschiedlich Berlin und Paris in zentralen Fragen ticken.
- Energiepolitik: Deutschland hält am Atomausstieg fest, Frankreich setzt weiter auf Atomkraft.
- Finanzpolitik: Bei französischen Ideen zur gemeinsamen Schuldenaufnahme bremst Deutschland.
- Rüstung: Wichtige gemeinsame Projekte stehen unter massivem Druck.
Ukraine einigt, Rüstung entzweit
Beim Thema Sicherheit gibt es zugleich Annäherung. Macron wirbt für ein strategisch selbstbewussteres Europa und für weitere Unterstützung der Ukraine. Deutschland hat inzwischen zugesagt, sich am ersten Manöver der sogenannten „Koalition der Willigen“ zu beteiligen. Die Übung soll in Polen stattfinden und ist Teil der Vorbereitungen für den Fall eines Waffenstillstands mit Russland.
Weniger gut läuft es bei gemeinsamen Großvorhaben in der Rüstungsindustrie. Das Kampfflugzeugprojekt FCAS ist laut Bericht offiziell gescheitert, und auch das Panzerprojekt MGCS gilt als stark gefährdet. Die Woche der Harmonie zeigt damit vor allem eines: Berlin und Paris suchen demonstrativ die Nähe – müssen ihre Differenzen aber weiter mühsam ausräumen.
Foto: Wikimedia Commons / Steffen Prößdorf, CC BY-SA 4.0