Mani Matter und 9 neue Fakten
Zum 90. Geburtstag von Mani Matter rückt SRF unbekanntere Seiten des Berner Liedermachers in den Fokus. Darunter: viele unveröffentlichte Songs, sein politischer Wandel und ein spätes Libretto über einen Unfall.

Am 4. August 2026 wäre Mani Matter 90 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass erinnert SRF nicht nur an den berühmten Liedermacher mit Klassikern wie „Ds Zündhölzli“ oder „Dr Ferdinand isch gstorbe“, sondern auch an Seiten seines Lebens, die deutlich weniger bekannt sind. So schrieb Matter weit mehr Lieder, als später auf Schallplatten erschienen. Allein in seinen letzten beiden Lebensjahren entstanden laut SRF noch 40 neue Songs.
Mehr als nur Sänger
Spannend ist auch der Blick auf seine Herkunft und sein Selbstbild. Matters Mutter war Holländerin, von ihr stammt auch sein Vorname: Eigentlich wollte sie ihn Jan nennen, doch aus dem kindlich veränderten Namen wurde „Mani“. Sprachwitz war in der Familie ohnehin fest verankert, auch durch seinen Vater Erwin Matter. Gleichzeitig sah sich Mani Matter selbst nur ungern ausschließlich als Musiker. Neben dem Singen waren ihm laut SRF auch Juristerei, Philosophie, Theologie und politische Debatten wichtig.
Das Bild vom dauerhaft schwermütigen Chansonnier greift dabei offenbar zu kurz. Biograf Wilfried Meichtry beschreibt Matter am Ende seines kurzen Lebens nicht als depressiv. Vielmehr zeigen seine Texte einen Künstler, der Witz und Nachdenklichkeit miteinander verband. Besonders bemerkenswert: Sein letztes Lied „Warum syt dir so truurig?“ wurde nie im Studio aufgenommen und erschien deshalb nicht auf Platte.
Politischer, linker, unbequemer
In den 1970er-Jahren wurde Matter laut SRF politisch deutlich schärfer. Ein Aufenthalt in Cambridge habe seinen Blick verändert, berichtete seine Frau Joy Matter. Er stellte öffentlich Fragen zur Rolle der Schweiz und zum Bankgeheimnis. Biograf Meichtry fasst diese Entwicklung klar zusammen: Matter sei politisch radikaler geworden.
- Viele seiner Lieder blieben unveröffentlicht
- Sein letztes Lied existiert ohne Studioaufnahme
- Kurz vor seinem Tod schrieb er das Libretto „Der Unfall“
Besonders tragisch wirkt heute, dass Matter 1972 noch das Libretto „Der Unfall“ für eine gemeinsame Anti-Oper mit Komponist Jürg Wyttenbach verfasste. Darin wird ein Verkehrsunfall geschildert. Im selben Monat starb Mani Matter selbst auf dem Weg zu einem Konzert bei einem Autounfall, bei dem sein Wagen mit einem Lastwagen kollidierte. Der Text wurde erst 43 Jahre später vertont und am Lucerne Festival uraufgeführt.
Foto: Wikimedia Commons / Dietmar Rabich, CC BY-SA 4.0