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Politik7. Juli 2026, 07:00 Uhr · von Redaktion

Le Pens Schicksalstag in Paris

In Paris fällt heute die Entscheidung über Marine Le Pens politische Zukunft. Das Berufungsgericht urteilt, ob die RN-Politikerin trotz ihrer Verurteilung bei der Präsidentschaftswahl 2027 antreten darf.

Le Pens Schicksalstag in Paris

In Paris richtet sich heute der Blick auf ein Urteil mit Sprengkraft: Ein Berufungsgericht entscheidet, ob Marine Le Pen bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr kandidieren darf. Für Frankreich ist das mehr als ein juristischer Termin — das Verfahren könnte die politische Balance des Landes spürbar verändern.

Le Pen hatte sich am Wochenende demonstrativ gelassen gezeigt. Bei einem Sommerfest des Rassemblement National im nordfranzösischen Liévin erklärte sie, entspannt zu sein. Gleichzeitig stellte sie ihre Partei auf den Ernstfall ein: Sollte die Justiz ihr eine Kandidatur verwehren, wolle sie mit voller Kraft RN-Chef Jordan Bardella unterstützen. Der 30-Jährige würde dann an ihrer Stelle in den Präsidentschaftswahlkampf ziehen.

Urteil mit Folgen für die Präsidentenwahl

Hintergrund ist der Vorwurf, der RN habe über Jahre EU-Gelder veruntreut und damit gezielt der Partei genutzt. Le Pen und weitere frühere sowie aktuelle Parteimitglieder wurden im Frühjahr 2025 in erster Instanz schuldig gesprochen. Die Richter sahen Le Pen im Zentrum eines Systems, das sie mit Nachdruck geführt habe. Gegen sie wurden eine Freiheitsstrafe, eine Geldstrafe und vor allem ein sofort wirksamer Ausschluss von Wahlen für fünf Jahre verhängt.

  • Erstinstanzliches Urteil: Frühjahr 2025
  • Wahlausschluss: fünf Jahre
  • Heute: Entscheidung im Berufungsverfahren in Paris

Zwischen Hoffnung und politischem Risiko

Im Berufungsprozess setzt Le Pen nun auf einen Freispruch oder zumindest auf eine deutliche Milderung des Urteils. Ihr Ziel: Die Dauer der Nicht-Wählbarkeit müsste so reduziert werden, dass ein Antritt noch möglich ist. Klar ist für sie auch, dass ein Wahlkampf unter strengen Auflagen kaum vorstellbar wäre — einen Präsidentschaftswahlkampf mit Fußfessel schließt sie aus.

Der Fall sorgt längst nicht nur im rechten Lager für Unruhe. Selbst politische Gegner reagierten nach dem ersten Urteil teils mit Unbehagen und scharfer Kritik an der Justiz. Genau deshalb gilt dieser Tag als außergewöhnlich: Zum ersten Mal könnte in Frankreich eine aussichtsreiche Präsidentschaftsbewerberin durch ein Gericht faktisch aus dem Rennen genommen werden.

Foto: Wikimedia Commons / Vox España, CC0