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Politik8. Juli 2026, 19:01 Uhr · von Redaktion

Le Pen legt sofort wieder los

Nach dem Urteil im Berufungsverfahren startet Marine Le Pen in La Flèche direkt in den Wahlkampf. Trotz Verurteilung wegen Veruntreuung sieht sich die Rechtsnationalistin wieder als Kandidatin für die Präsidentenwahl 2027.

Le Pen legt sofort wieder los

Marine Le Pen hat kaum Zeit verloren: Nur einen Tag nach dem Urteil im Berufungsverfahren ist die französische Rechtsnationalistin in La Flèche demonstrativ in den Wahlkampf gestartet. Auf dem Marktplatz der Stadt, rund 200 Kilometer südwestlich von Paris, ließ sie sich von Anhängern feiern und erklärte sich erneut zur Präsidentschaftskandidatin ihrer Partei.

Der Auftritt wirkte wie eine politische Rückeroberung. Le Pen betonte, dass ihr das Gericht das passive Wahlrecht zurückgegeben habe und sie damit wieder wählbar sei. Noch am Vorabend hatte sie sich in den Fernsehnachrichten zur alten und neuen Kandidatin des Rassemblement National erklärt. Nach ihrem angespannten Eindruck am Gericht zeigte sie sich nun deutlich gelöster und suchte sichtbar die Nähe zur Menge.

Jordan Bardella wieder in Reihe zwei

An ihrer Seite stand Jordan Bardella, der lange als Ausweichlösung für die Präsidentschaft galt. Beim Auftritt in La Flèche machte Le Pen aber klar, dass sie selbst wieder das Kommando übernimmt. Bardella soll nun nur noch für das Amt des Premierministers vorgesehen sein. Nach außen demonstrierten beide Geschlossenheit und kündigten an, weiter eng zusammenzuarbeiten.

  • Le Pen wurde wegen Veruntreuung europäischer Steuergelder schuldig gesprochen.
  • Das Strafmaß: ein Jahr Hausarrest mit elektronischer Fußfessel.
  • Die Strafe wird laut Bericht nicht sofort vollstreckt.
  • Juristisch ist der Weg für eine Kandidatur bei der Wahl 2027 frei.

Anhänger stören sich kaum am Urteil

Politisch scheint das Urteil ihrer Basis bislang nicht zu schaden. Mehrere Unterstützer in La Flèche zeigten sich unbeeindruckt von der Verurteilung. Le Pen selbst gibt sich weiter unschuldig und verweist darauf, dass am Ende die Wähler entscheiden müssten. Genau diese Botschaft setzte sie bei ihrem Auftritt in den Mittelpunkt.

Gegenprotest blieb überschaubar. Am Rand der Veranstaltung versammelten sich nur einige Dutzend Gegner. Kurzzeitig kam es zu einem Handgemenge zwischen zwei älteren Männern. Die Kritiker warfen Le Pen vor, als verurteilte Politikerin in den Präsidentschaftswahlkampf zu ziehen. Der Wahlkampfauftakt zeigte trotzdem vor allem eins: Marine Le Pen will die Debatte über das Urteil sofort in politischen Rückenwind verwandeln.

Foto: Wikimedia Commons / Nicolas Richoffer, CC BY-SA 4.0