Le Pen gibt nicht auf
Marine Le Pen will trotz des bestätigten Schuldspruchs in Frankreich 2027 für das Präsidentenamt kandidieren. Ein Berufungsgericht verhängte unter anderem ein Jahr Hausarrest mit elektronischer Fußfessel, rechtlich bleibt ihre Kandidatur aber möglich.

Marine Le Pen hält an ihrem Plan fest: Die Politikerin des Rassemblement National will bei der französischen Präsidentschaftswahl 2027 antreten – obwohl ein Berufungsgericht ihren Schuldspruch wegen Veruntreuung von EU-Geldern bestätigt hat. Im französischen Fernsehen machte die 57-Jährige deutlich, dass sie an ihrer Kandidatur festhält und das Urteil nicht als politisches Aus versteht.
Urteil bestätigt, Kandidatur bleibt möglich
Das Gericht hatte Le Pen bereits im März 2025 wegen Veruntreuung von EU-Geldern in Millionenhöhe verurteilt. Damals wurde sie auch mit sofortiger Wirkung für fünf Jahre von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen. Nun fiel die Entscheidung in zweiter Instanz etwas milder aus: Das Verbot wurde auf 45 Monate reduziert, wobei zwei Drittel davon zur Bewährung ausgesetzt sind. Weil seit dem ersten Urteil schon 15 Monate vergangen sind, steht ihrer nächsten Kandidatur rechtlich nichts im Weg.
- Amtsausschluss: von 5 Jahren auf 45 Monate reduziert
- Haftstrafe: von 4 auf 3 Jahre verkürzt
- Davon: 2 Jahre zur Bewährung ausgesetzt
- Verbleibend: 1 Jahr Hausarrest mit elektronischer Fußfessel
Le Pen will das Urteil nun vor dem höchsten Berufungsgericht anfechten. Nach ihrer Darstellung würde dadurch die vom Berufungsgericht angeordnete Strafe zunächst ausgesetzt. Noch vor der Entscheidung hatte sie erklärt, unter den Bedingungen eines Hausarrests mit Fußfessel nicht kandidieren zu können. Jetzt kündigt sie an, ihren Wahlkampf ohne diese Einschränkung führen zu wollen.
Tandem mit Bardella soll bleiben
Politisch setzt Le Pen weiter auf die Zusammenarbeit mit Parteichef Jordan Bardella. Beide wollten ein Tandem bleiben, erklärte sie. Für den Fall eines Wahlsiegs im kommenden Frühjahr stellte sie in Aussicht, den 30-Jährigen zum Regierungschef zu machen. Hätte Le Pen auf eine Kandidatur verzichtet, wäre Bardella voraussichtlich selbst für den RN ins Rennen gegangen. In einigen Umfragen liegt er derzeit sogar vor ihr, parteiintern sorgt sein wirtschaftspolitischer Kurs aber auch für Debatten.