Kuba steckt im Dauer-Blackout
In Kuba ist nach dem jüngsten grossen Stromausfall zwar mancherorts wieder Elektrizität da. Doch Treibstoffmangel, US-Sanktionen und steigende Preise verschärfen den Alltag der Menschen weiter.

Nach dem jüngsten landesweiten Ausfall ist der Strom in Teilen Kubas zwar zurückgekehrt. Entspannung bedeutet das aber nicht: Stromausfälle bleiben im Alltag vieler Menschen normal und dauern in einigen Regionen weiterhin tagelang. Es ist bereits der dritte grosse Stromausfall in diesem Jahr. Hauptgrund ist laut SRF die seit Jahresbeginn blockierte Energiezufuhr, durch die es auf der Insel massiv an Treibstoff fehlt.
Hitze, Wasserprobleme, verdorbenes Essen
Die Folgen treffen die Bevölkerung besonders hart. Ohne Elektrizität funktionieren Wasserpumpen nicht, Wohnungen bleiben ohne Ventilatoren und damit ohne Abkühlung. Gerade in den heissen Sommermonaten wird das schnell zur Belastung. Gleichzeitig steigen die Kosten im Alltag immer weiter, vor allem beim Transport.
- Wasser kann oft nicht in die Häuser gepumpt werden
- Lebensmittel verderben in Kühlschränken
- Abfall wird teils nicht abgeholt und stattdessen verbrannt
- Auch die medizinische Versorgung gerät stärker unter Druck
Die Stimmung im Land wird laut Beobachtern immer angespannter. Ein Freund der SRF-Auslandredaktorin Anna Lemmenmeier beschreibt die Lage als eine Art kollektive Depression. Viele Menschen erleben, dass alles unsicherer, teurer und schwieriger wird.
Druck aus Washington, wenig Spielraum in Havanna
Eine zentrale Rolle spielen die USA, die den wirtschaftlichen Druck zuletzt noch erhöht haben. Neue Sanktionen erschweren ausländischen Unternehmen Geschäfte in Kuba massiv. Laut SRF haben sich das grösste Bergbauunternehmen und alle grossen Tourismusfirmen bereits zurückgezogen. Die UNO spricht in diesem Zusammenhang von „Energy Starvation“ und bewertet die Lage als völkerrechts- und menschenrechtswidrig.
Die kubanische Regierung versucht gegenzusteuern, etwa mit einer Anhebung des Mindestlohns. Doch die Inflation frisst diesen Effekt laut Bericht schnell wieder auf. Gleichzeitig verliert die Landeswährung weiter an Wert gegenüber dem Dollar, der in Kuba wichtig bleibt. Zwar wurde unter Druck ein Reformpaket beschlossen, das der Privatwirtschaft mehr Raum geben soll, doch die Umsetzung gilt als schwierig. Sichtbare Brüche in der Führung sind von aussen derzeit nicht zu erkennen.