Korezkyj rückt an die Spitze
In Kiew hat das Parlament Serhij Korezkyj zum neuen Ministerpräsidenten der Ukraine ernannt. Der 48-Jährige gilt als Krisenmanager und politisch neutraler Technokrat ohne erkennbare Machtambitionen.

Die Ukraine hat einen neuen Regierungschef: Das Parlament in Kiew hat Serhij Korezkyj am Donnerstag zum Ministerpräsidenten ernannt. Vorausgegangen war der Rücktritt von Julia Swyrydenko und ihrer Regierung. Mit dem 48-Jährigen rückt damit kein klassischer Parteipolitiker an die Spitze des Kabinetts, sondern ein Manager mit Erfahrung in der Energiebranche.
Vom Sicherheitsmann zum Regierungschef
Korezkyj begann seine Laufbahn als Wachmann bei der Treibstoff-Gruppe Kontynium und arbeitete sich dort Schritt für Schritt nach oben. Später wurde er Generaldirektor des Unternehmens. 2013 übernahm er die Leitung der Tankstellenkette WOG, wo er bis 2018 tätig war. Danach gründete er die Café-Kette Idealist Coffee & Co. mit und wurde außerdem Mitbegründer eines Schweizer Energiehandelsunternehmens. Seit April 2025 stand er an der Spitze des Staatskonzerns Naftogaz.
- früher Chef von WOG
- Mitgründer von Idealist Coffee & Co.
- seit 2025 Leiter von Naftogaz
Beobachter sehen in Korezkyj vor allem einen effektiven Krisenmanager. Der Politologe Wolodymyr Fesenko vom Zentrum für Angewandte Politikforschung Penta verweist auf dessen Arbeit bei Ukrnafta. Dort habe Korezkyj das Unternehmen innerhalb eines Jahres aus finanziellen und organisatorischen Problemen geführt und wieder unter staatliche Kontrolle gebracht. Auch bei Naftogaz habe er sich bewährt, insbesondere im vergangenen Winter, als trotz russischer Angriffe auf die Gasinfrastruktur große Teile des Landes weiter versorgt werden konnten.
Technokrat ohne eigene Hausmacht
Ein weiterer Punkt, der für ihn spricht: Korezkyj gilt als politisch neutral. Nach Einschätzung von Experten ist er weder eng an bestimmte politische Lager noch an oligarchische Gruppen gebunden. Damit dürfte er eher als technokratischer Regierungschef auftreten als als Politiker mit eigener Machtbasis. Fesenko traut ihm zudem mehr administrative Eigenständigkeit zu als seiner Vorgängerin. Wadym Denysenko vom Portal DSNews beschreibt ihn als klar strukturierten Arbeitsmenschen mit hohen Ansprüchen an die Umsetzung seiner Aufgaben.
Für Präsident Wolodymyr Selenskyj könnte genau dieses Profil entscheidend gewesen sein: ein Manager, der in Krisen funktioniert, Konflikte meidet und im Regierungsalltag vor allem Probleme lösen soll. Große politische Visionen werden ihm derzeit nicht zugeschrieben — wohl aber die Fähigkeit, neue Rückschläge zu verhindern.
Foto: Wikimedia Commons / © Ukrnafta, CC BY 4.0