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Musik & Film8. August 2026, 13:00 Uhr · von Redaktion

Koller zerlegt Schweizer Kino

Oscarpreisträger Xavier Koller hat beim Filmfestival in Locarno scharfe Kritik am aktuellen Schweizer Filmschaffen geäußert. Auf der Piazza Grande sprach der Regisseur von fehlendem Mut, schwachen Dialogen und zu viel Konvention.

Koller zerlegt Schweizer Kino

Xavier Koller, der 1991 mit „Reise der Hoffnung“ den Oscar für den besten fremdsprachigen Film gewann, hat beim Filmfestival in Locarno deutliche Worte gefunden. Im Gespräch an der Piazza Grande zeigte sich der Regisseur vom aktuellen Schweizer Kino ernüchtert. Viele Produktionen der vergangenen Jahre seien ihm zu brav, zu vorhersehbar und handwerklich wenig packend.

Der heute in der Schweiz wie im Ausland arbeitende Filmemacher sieht zwar grundsätzlich eine Erholung des Kinogeschäfts. Nach der Covid-Zeit habe es gedauert, bis das Publikum den Weg zurück in die Säle gefunden habe. Für Koller ist das gemeinsame Filmerlebnis aber weiter ein zentraler Reiz des Kinos – gerade an einem Ort wie der Piazza Grande, wo Tausende Menschen zusammen einen Film sehen.

Frontalangriff auf Schweizer Produktionen

Besonders hart fiel sein Urteil über das hiesige Filmschaffen aus. Koller sprach von zu viel Konvention und zu wenig Überraschung. Ihm fehle vor allem der Mut zu neuen Perspektiven und Geschichten, deren Ausgang nicht schon früh absehbar sei. Auch mit der schauspielerischen Leistung und den Dialogen ging er ins Gericht. Gerade in der Deutschschweiz gebe es aus seiner Sicht zu wenige Menschen, die wirklich gute Dialoge schreiben könnten.

  • Kritikpunkt 1: zu konventionelle Geschichten
  • Kritikpunkt 2: fehlender Mut und zu wenig neue Perspektiven
  • Kritikpunkt 3: schwache Dialoge und wenig überzeugendes Spiel

Kino lebt vom richtigen Moment

Mit Blick auf internationale Erfolge verwies Koller auf „Spider-Man“, der laut seiner Aussage am ersten Wochenende weltweit 900 Millionen Dollar eingespielt habe. Für ihn ist das ein Hinweis darauf, dass viele Menschen weiterhin Lust auf das kollektive Kinoerlebnis haben. Gleichzeitig betonte er, dass sich Erfolg kaum planen lasse. Selbst grosse Produktionen könnten scheitern, wenn sie nicht den Nerv der Zeit träfen.

Koller selbst bleibt trotz aller Kritik auf die Gegenwart fokussiert. Der Oscar für „Reise der Hoffnung“ ist zwar der grösste Erfolg seiner Karriere, doch im Gespräch machte er klar, dass er vor allem weiterarbeiten will. Er hoffe, dass sein nächster Film noch zustande komme, bevor er, wie er es formulierte, „abserviert“ werde.

Foto: Wikimedia Commons / Franz Xaver Petter, Public domain