KI-Bands erobern die Streams
Auf YouTube und Spotify tauchen immer mehr KI-Bands mit Avataren, Biografien und hohem Output auf. Beispiele wie Shunned at a Funeral oder das Label Smopp Records zeigen, wie stark Künstliche Intelligenz inzwischen in der Musik angekommen ist.

Streamingdienste werden zunehmend von Songs überschwemmt, die mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz entstehen. Dabei geht es längst nicht mehr nur um einzelne Tracks: Immer öfter treten komplette virtuelle Acts auf, inklusive erfundener Lebensläufe, Avataren und aufwendig inszenierter Videos. Ein besonders auffälliges Beispiel ist Shunned at a Funeral, eine christliche Rockband, die auf YouTube rund 250.000 Abonnenten erreicht – obwohl es die Gruppe als echte Band gar nicht gibt.
Wer sich die Clips anschaut, kann den künstlichen Ursprung zumindest erahnen. Die Videos wirken stark digital, mit perfekt gesetztem Licht und fast spielartiger Optik. Auch der enorme Veröffentlichungsrhythmus fällt auf: sieben Alben 2025 und drei weitere 2026. Auf der Website heißt es dazu nur, moderne Werkzeuge würden im kreativen Prozess genutzt, das Projekt selbst sei aber menschlich gedacht. Auf Spotify sammeln die Songs trotzdem teils mehrere Hunderttausend Abrufe.
Zwischen Skepsis und Neugier
Für Ali Nikrang, Professor für Künstliche Intelligenz und musikalische Kreation an der Musikhochschule München, ist die Reaktion des Publikums dabei wenig überraschend. Rein KI-generierte Produkte würden zwar oft kritischer gesehen. Wenn hinter dem Einsatz aber ein erkennbares künstlerisches Konzept eines Menschen stehe, werde das Ergebnis eher wie andere Kunstformen akzeptiert.
Nikrang zieht dabei eine klare Linie: Ein einfacher Prompt samt Upload sei für ihn noch keine kreative Leistung. Anders sehe es aus, wenn jemand ein ganzes virtuelles Bandprojekt erschafft und bewusst damit experimentiert, wie Figuren, Musik und Inszenierung beim Publikum ankommen. Dann entstehe tatsächlich etwas Neues.
Eigenes Label nur für KI-Acts
Genau auf so ein Konzept setzt auch Daniel Troha. Der Produzent, der bereits mit Sarah Connor und den No Angels gearbeitet hat, entwickelte die Figur Kai Nøir: einen jungen skandinavischen Producer, der Minimal-Tech-House macht. Veröffentlicht wird die Musik über Smopp Records, ein Label, das ausschließlich KI-Künstlern gewidmet ist.
- Virtuelle Bands mit Avatar und Biografie werden häufiger
- Shunned at a Funeral kommt auf rund 250.000 YouTube-Abonnenten
- Smopp Records setzt gezielt auf KI-Künstler
Die Entwicklung zeigt: KI in der Musik ist längst keine Randerscheinung mehr. Ob sie echte Musiker verdrängt oder eher neue kreative Formen eröffnet, bleibt offen. Sicher ist nur, dass das Publikum den künstlichen Acts schon jetzt deutlich mehr Aufmerksamkeit schenkt, als viele erwartet hätten.