KI-Angst im Israel-Wahlkampf
In Israel prägt erstmals KI den Wahlkampf vor der Abstimmung am 27. Oktober. Forscher und Kontrolleure warnen vor täuschend echten Fake-Videos, Bot-Netzwerken und wachsendem Misstrauen in das Wahlergebnis.

Im israelischen Wahlkampf spielt Künstliche Intelligenz erstmals eine sichtbare Rolle – und sorgt schon jetzt für massive Sorgen. Im Zentrum der Debatte steht ein KI-generiertes Video aus dem Umfeld von Finanzminister Bezalel Smotrich. Darin wird der Eindruck erweckt, Oppositionspolitiker Gadi Eisenkot wolle mit Mahmud Abbas gemeinsame Sache machen und einen palästinensischen Staat ermöglichen. Das Problem: Das gezeigte Material ist laut Bericht frei erfunden – verbreitete sich aber trotzdem rasant im Netz.
Warnung vor Vertrauensverlust
Die israelische KI-Forscherin Tehilla Shwartz Altshuler sieht darin mehr als nur schmutzigen Wahlkampf. Ihrer Einschätzung nach sind echte und künstlich erzeugte Inhalte inzwischen kaum noch auseinanderzuhalten. Gerade weil die Informationsflut so groß sei, fehle vielen Menschen die Zeit, Inhalte kritisch zu prüfen. Ihre größte Sorge: Dass nach solchen Kampagnen ein großer Teil des Landes das Wahlergebnis nicht mehr akzeptiert.
Auch Israels Präsident Izchak Herzog hat bereits zur Mäßigung aufgerufen. Er appellierte an Bevölkerung und Kandidaten, Ausschreitungen vor den Wahlen zu verhindern. Die Abstimmung am 27. Oktober dürfe nicht wie ein Bürgerkrieg behandelt werden. Hintergrund ist die Sorge, dass aufgeheizte Stimmung, Desinformation und politische Lagerbildung zusammen eine gefährliche Mischung ergeben.
Bots, Fake-Profile und ausländische Einflussnahme
Nicht nur manipulierte Videos bereiten Experten Kopfzerbrechen. Daniel Jacobs von Israels Ombudsstelle warnt vor digitalen Kampagnen aus dem Ausland, vor allem vor Versuchen aus dem Iran, mit Falschinformationen hohe Reichweiten zu erzielen. Ziel sei es, die israelische Gesellschaft weiter zu spalten und Wähler zu verwirren oder vom Urnengang abzuhalten.
- KI-Videos und gefälschte Inhalte verbreiten sich viral
- Bot-Netzwerke und Fake-Konten verschleiern ihre Identität
- Eine Meldestelle für KI-Verstöße wurde gefordert, bisher aber nicht umgesetzt
Nach Einschätzung von Altshuler könnte die Manipulation durch KI eine neue Dimension erreichen. Wenn Chatbots über gefälschte Webseiten oder Profile Informationen sammeln und Falschmeldungen weiterverbreiten, droht nach ihrer Warnung eine beispiellose Form der Wählermanipulation. Für Israels Demokratie geht es damit nicht nur um Stimmen – sondern um das Vertrauen in das gesamte Wahlsystem.