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Musik & Film17. August 2026, 13:01 Uhr · von Redaktion

Jelinek rechnet tierisch ab

Großer Jubel in Salzburg: Elfriede Jelineks „Unter Tieren“ feierte auf der Perner-Insel eine umjubelte Premiere. Regisseur Nicolas Stemann bringt die Abrechnung mit Finanzkapitalismus und Entmenschlichung als grelle Tierrevue auf die Bühne.

Jelinek rechnet tierisch ab

Standing Ovations für die letzte große Premiere der Salzburger Festspiele: Auf der Perner-Insel in Hallein hat Regisseur Nicolas Stemann Elfriede Jelineks neuen Bühnenessay „Unter Tieren“ als wildes, lautes und komisches Theaterereignis inszeniert. Im Zentrum steht eine scharfe Attacke auf Finanzkapitalismus, Machtzirkel und den Verlust von Menschlichkeit.

Jelinek nimmt dabei bekannte Namen direkt ins Visier. Genannt werden unter anderem Rene Benko, Siegfried Wolf, Peter Thiel, Sebastian Kurz und Wolfgang Porsche. Auch mehrere Banken und Finanzakteure tauchen in diesem dicht gebauten Textgeflecht auf. Die Autorin zeichnet ein System aus Profiteuren, politischen Helfern, Mitläufern und Wegschauenden nach.

Tiere übernehmen das Wort

Stemann erzählt das alles nicht als trockenes Politdrama, sondern als überbordende Revue aus tierischen Perspektiven. Auf der Bühne berichten Tauben, dazu kommen Hase, Ratte, Stockente, „Lamm Gottes“ und „Für und Widder“. Gleich zu Beginn sorgen Figuren mit übergroßen Benko-Pappmasken für Gelächter, während auf einem Bildschirm der Rohbau des gescheiterten „Lamarr“-Projekts zu sehen ist. Drei Tauben kommentieren das Geschehen gurrend und setzen damit den Ton für einen Abend, an dem die Tiere die Menschen beobachten, besingen und anklagen.

  • Thema: Geld, Macht und der Zerfall von Anstand und Demokratie
  • Form: Nummernrevue mit tierischen Figuren
  • Ort: Perner-Insel in Hallein

Der Abend dauert drei Dreiviertelstunden und folgt in vielen Stationen dem Fluss des Geldes. Laut ORF verwebt Jelinek in dem Mammutwerk politische Theorie, Gegenwartsanalyse und Sprachwitz besonders pointiert. Das Ensemble trägt diesen Gedankenstrom mit großer Spiellust, Kalauerlust und Energie durch die Inszenierung.

Weitere Termine in Salzburg und Wien

Wer die Produktion noch sehen will, hat bei den Festspielen mehrere Gelegenheiten. „Unter Tieren“ läuft in Hallein noch am 18., 19., 21., 22., 24. und 26. August jeweils um 19.00 Uhr. Ab 4. September wird die Koproduktion dann auch am Wiener Burgtheater gezeigt.

Foto: Wikimedia Commons / C.Koltzenburg, CC0

Quelle: ORF