Iran zeigt Stärke nach Chamenei
In Teheran ziehen Hunderttausende bei den Trauerfeiern für Ali Chamenei durch die Straßen. Das Regime nutzt die Bilder als Stärkezeichen, doch hinter den Kulissen läuft offenbar ein offener Machtkampf um Irans Zukunft.

Die tagelangen Trauerfeiern für Ajatollah Ali Chamenei sind in Teheran zu einer gewaltigen Kulisse für das Regime geworden. Auch am Montag zogen Hunderttausende durch die Hauptstadt. Die Führung präsentiert die Massen als Zeichen der Geschlossenheit – und nach Einschätzung von Beobachtern wirkt das Machtzentrum in der Islamischen Republik derzeit sogar stabiler als noch vor dem Krieg mit den USA und Israel.
Offene Fragen nach dem Tod
Gleichzeitig markiert Chameneis Tod nach den Angriffen vom 28. Februar einen tiefen Einschnitt. Besonders auffällig ist das Fehlen seines Sohnes Modschtaba Chamenei, der seitdem nicht öffentlich aufgetreten ist. Laut Berichten könnte eine schwere Verletzung der Grund dafür sein. Seine Abwesenheit befeuert aber auch Spekulationen darüber, wie die Macht im Iran künftig verteilt wird.
Dass die Debatte längst öffentlich geführt wird, zeigt auch die Kritik aus dem Staatsapparat selbst. Vizepräsident Mohammed-Dschafar Ghaempanah stellte laut "New York Times" zuletzt sogar infrage, ob Chamenei immer das letzte Wort haben müsse. Hardliner reagierten darauf scharf. Parallel liefern sich seit Wochen ultrakonservative Kräfte und das Lager um Außenminister Abbas Araktschi sowie Parlamentspräsident Mohammed-Bagher Ghalibaf einen offenen Streit über den Kurs gegenüber den USA.
Revolutionsgarde als Schlüsselfaktor
Vor allem die Verhandlungen mit Washington haben den Konflikt sichtbar gemacht. Während die vereinbarte Absichtserklärung international eher als Zugeständnis der USA an den Iran gesehen wird, brandmarken Hardliner die Unterhändler als Verräter. Laut Berichten gab es bei kleinen nächtlichen Kundgebungen sogar Forderungen nach Strafverfolgung und Tod der Verhandler.
- Die derzeitige Führung um Präsident Massud Peseschkian setzte sich dennoch durch.
- Auch der Nationale Sicherheitsrat soll dem Abkommen mit großer Mehrheit zugestimmt haben.
- Medienberichten zufolge gab es zudem grünes Licht von Modschtaba Chamenei.
Entscheidend bleibt jedoch die Rolle der Revolutionsgarde. Ohne ihr Einverständnis wäre ein Deal mit den USA kaum möglich gewesen. Beobachter sehen deshalb bereits den Beginn einer neuen Phase der Islamischen Republik: Nach den Epochen von Chomeini und Chamenei könnte nun zunehmend die Revolutionsgarde den Ton angeben.