Hormus bleibt brandgefährlich
In der Straße von Hormus spitzt sich die Lage weiter zu. Nach Angriffen des Iran und neuen US-Maßnahmen ist der Schiffsverkehr fast zum Stillstand gekommen – betroffen sind zeitweise rund 20 Prozent des weltweiten Öl- und LNG-Handels.

Die Lage in der Straße von Hormus bleibt hochgefährlich. Von Entspannung ist nach den jüngsten Angriffen zwischen den USA und dem Iran nichts zu sehen. Stattdessen geraten die Öl- und Gasexporte aus der Golfregion erneut unter Druck – und damit eine der wichtigsten Energierouten der Welt.
Nach Einschätzung von Guntram Wolff, Senior Fellow bei Bruegel und Professor in Brüssel, hat der Iran in den vergangenen Monaten gezeigt, dass er die Meerenge weiter kontrollieren oder ihre Nutzung zumindest massiv stören kann. Selbst monatelange Luftangriffe hätten diese Fähigkeit nicht beseitigt. In dieser Woche kam der Schiffsverkehr dort erneut fast zum Erliegen, nachdem der Iran Tanker attackiert sowie Drohnen und Raketen auf militärische Einrichtungen in Bahrain, Kuwait und Jordanien abgefeuert hatte.
Wichtige Route für Öl und Gas
Vor den Angriffen Israels und der USA auf den Iran am 28. Februar war Hormus eine internationale Wasserstraße ohne Maut. Laut Internationaler Energieagentur liefen dort rund 20 Prozent des weltweit gehandelten LNG und etwa ebenso viel Erdöl durch. Nach Angaben der US-Energieinformationsbehörde entsprach das in den vergangenen Jahren im Schnitt rund 20 Millionen Barrel pro Tag.
- Rund 20 Prozent des weltweiten LNG-Handels liefen über Hormus
- Auch etwa 20 Prozent des globalen Erdöls wurden dort transportiert
- Im ersten Quartal fiel das Volumen auf etwa 14,6 Millionen Barrel täglich
Pipelines werden wichtiger
Ein vorläufiger Waffenstillstand vom 17. Juni hatte die Schifffahrt kurz entlastet, ist inzwischen aber hinfällig. In den vergangenen Wochen griffen US-Streitkräfte Hunderte iranische Militärziele an. Analysten warnen nun vor Gegenangriffen auf Raffinerien, Häfen und Pipelines in der Golfregion. Das würde nicht nur die gesamte Region wirtschaftlich belasten, sondern könnte auch zu neuer Ölknappheit führen.
Hinzu kommen Berichte, wonach der Iran zu Beginn des Konflikts pro Schiff 1,7 Millionen Euro für die Nutzung der Wasserstraße verlangt habe. Zuletzt sollten Schiffe demnach eine nördliche Route durch iranische Gewässer nehmen. Für Exporteure gewinnen damit Pipelines als Ausweichroute weiter an Bedeutung – auch wenn die Unsicherheit in der Region insgesamt extrem hoch bleibt.