Goldener Löwe für Frauen-Drama
Beim 83. Filmfestival von Venedig hat das dänische Drama „Woman Unknown“ den Goldenen Löwen gewonnen. Regisseurin May el-Touky und Hauptdarstellerin Mathilde Arcel gehören damit zu den großen Gewinnerinnen des Abends.

Foto: rheinpfalz
Das 83. Filmfestival von Venedig ist mit einem klaren Favoriten zu Ende gegangen: Der Goldene Löwe ging an das dänische Drama „Woman Unknown“ von Regisseurin May el-Touky. In einem Wettbewerb mit 21 Filmen setzte sich damit ein Werk durch, das nach Einschätzung der Jury zu den wenigen besonders überzeugenden Beiträgen gehörte. Den Vorsitz der Jury hatte US-Schauspielerin und Regisseurin Maggie Gyllenhaal.
Vergangenheit als Bedrohung
„Woman Unknown“ spielt im Dänemark der Nachkriegszeit und erzählt von einer jungen Dienstbotin, die ihre Beziehung zu einem deutschen Soldaten um jeden Preis geheim halten will. Obwohl die Vergangenheit scheinbar abgeschlossen ist, droht sie wieder sichtbar zu werden: Ein ehemaliger Schulkamerad weiß Bescheid, später erscheint sogar ein Hakenkreuz an ihrer Haustür. Aus dieser Ausgangslage macht el-Touky laut Festivalbilanz einen intensiven Mix aus Drama, Kälte und Thriller.
Für den Film gab es gleich noch eine zweite wichtige Auszeichnung: Mathilde Arcel, die die junge Magd spielt, wurde als beste Darstellerin geehrt. Ihr Auftritt lebt von zurückgenommenen Emotionen und der ständigen Angst, entlarvt zu werden. Einen deutschen Kinostart gibt es für den Film bislang noch nicht.
Weitere Preise mit politischem Unterton
Auch bei den übrigen Preisen setzte das Festival auf markante Handschriften und politische Themen. John Malkovich gewann den Darstellerpreis für die Agenten-Buddie-Komödie „Wild Horse Nine“ von Martin McDonagh. Der Regiepreis ging an den in Berlin lebenden russischen Filmemacher Ilja Chrzhanowski für „Dau“, einen Film über den Physiker Lew Landau und den politischen Druck auf Wissenschaftler in Russland.
- Bester Film: „Woman Unknown“
- Beste Darstellerin: Mathilde Arcel
- Bester Darsteller: John Malkovich
- Regiepreis: Ilja Chrzhanowski für „Dau“
Ein deutliches politisches Signal setzte die Jury außerdem mit dem Spezialpreis für „Naza“ von Yuval Abraham und Rachel Szor. Der Dokumentarfilm beleuchtet mit Interviews und Drohnen-Nachtbildern die Gewalt des israelischen Staates im Gazastreifen. Venedig endete damit nicht nur mit starken Preisträgern, sondern auch mit einer Preisvergabe, die Haltung zeigte.
Quelle: rheinpfalz