Frankreich ringt um Sterbehilfe
In Frankreich stimmt die Nationalversammlung über ein Gesetz zur Sterbehilfe ab. Der Entwurf würde begleiteten Suizid unter strengen Bedingungen erlauben, Gegner haben bereits Proteste angekündigt.

In Frankreich steht heute eine heikle Entscheidung an: Die Nationalversammlung stimmt über ein Gesetz ab, das Sterbehilfe unter engen Voraussetzungen ermöglichen soll. Vorgesehen ist, dass Patienten eine tödliche Substanz unter Aufsicht selbst einnehmen dürfen. Schon vor der Abstimmung haben Gegner des Vorhabens Proteste angekündigt.
Strenger Rahmen für den begleiteten Suizid
Der Gesetzentwurf ist das Ergebnis eines längeren Reformprozesses. Zwischen 2022 und 2023 hatte ein von Präsident Emmanuel Macron angestoßener Bürgerrat Leitlinien zum Lebensende erarbeitet. Mehr als drei Jahre später ist daraus nun ein Text entstanden, über den die Abgeordneten final entscheiden.
Der Entwurf zieht dabei klare Grenzen. Ärzte oder Pfleger sollen die tödliche Substanz nur dann verabreichen dürfen, wenn Betroffene körperlich nicht mehr in der Lage sind, sie selbst einzunehmen. Die direkte Tötung auf Verlangen soll also die Ausnahme bleiben.
- Zugang nur für Menschen mit unheilbarer Krankheit
- Die Erkrankung muss sicher zum Tod führen
- Sie muss sich in einem fortgeschrittenen oder im Endstadium befinden
- Es müssen körperliche oder seelische Leiden vorliegen, die nicht mehr gelindert werden können
- Der Wunsch muss in klarem Bewusstsein geäußert werden und bleibt widerrufbar
Breite Zustimmung, aber auch Widerstand
Generalberichterstatter Philippe Vigier von der Zentrumspartei MoDem verteidigt den fraktionsübergreifenden Entwurf als ausgewogen. Kinder, Menschen mit Behinderung und Personen ohne Wohnsitz in Frankreich sollen die Regelung demnach nicht in Anspruch nehmen können.
Das Thema spaltet dennoch. Nathalie Berriau, Mitglied des damaligen Bürgerrats, schildert ihre Haltung als Folge persönlicher Eindrücke aus einem Hospiz. Für sie zeigt der Blick nach Belgien oder in die Schweiz, dass Frankreich bislang keine eigene Antwort auf solche Grenzfälle gefunden hat. Gleichzeitig spricht vieles dafür, dass die Reform in der Bevölkerung Rückhalt hat: In einer IFOP-Umfrage vom Februar befürworteten fast neun von zehn Befragten die Schaffung einer Möglichkeit zur aktiven Sterbehilfe.
Foto: Wikimedia Commons / Photo Claude TRUONG-NGOC, CC BY-SA 3.0