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Musik & Film19. August 2026, 19:00 Uhr · von Redaktion

Fluchttraum mit Segelboot

In „Spaziergang nach Syrakus“ erzählt Lars Jessen von einem DDR-Mann, der Anfang der 80er sieben Jahre lang seine Reise per Segelboot vorbereitet. Das Drama mit Charly Hübner verknüpft Freiheitssehnsucht, Heimat und Verlust.

Fluchttraum mit Segelboot

Foto: mz

Ein Traum von Sizilien wird in der DDR zum Risiko: „Spaziergang nach Syrakus“ erzählt von Paul Gompitz, der Anfang der 1980er Jahre ausgerechnet das nachholen will, was ihm verwehrt bleibt – frei zu reisen. Sein Ziel ist Syrakus, inspiriert von den Wegen des Dichters Johann Gottfried Seume. Weil dieser Wunsch in der DDR nicht einfach erfüllbar ist, macht Paul aus seiner Sehnsucht einen jahrelang vorbereiteten Fluchtplan per Segelboot.

Sieben Jahre für die große Reise

Regisseur Lars Jessen macht daraus keine klassische Fluchtgeschichte, sondern das Porträt eines Mannes, der aufbrechen will, ohne innerlich mit seiner Heimat zu brechen. Die Vorlage liefert Friedrich Christian Delius mit „Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus“, basierend auf der wahren Geschichte von Klaus Müller. Im Film begleitet eine ruhige Off-Stimme Pauls Erinnerungen und Gedanken – und gibt der Handlung eine nachdenkliche, fast philosophische Färbung.

Besonders stark ist der Blick auf die akribische Vorbereitung. Paul spart auf ein Boot, arbeitet sich heimlich in Technik ein und verfolgt seinen Plan über sieben Jahre hinweg mit trockenem Eigensinn. Jessen zeigt die DDR dabei nicht bloß als starres System, sondern auch als Ort, in dem Menschen sich Freiräume schaffen und dennoch Zugehörigkeit empfinden.

  • Charly Hübner spielt Paul als stillen, sturen Reisenden mit viel Zurückhaltung.
  • Lina Beckmann gibt Anne eine eigene, starke Präsenz jenseits der Rolle der Wartenden.
  • Im Zentrum steht nicht politische Rebellion, sondern der Wunsch, die Welt zu sehen und wieder heimzukehren.

Freiheit mit bitterem Nachhall

Seine größte Wucht entwickelt der Film allerdings erst zum Schluss. Nach dem Mauerfall kommt Paul zwar zurück, doch die Heimat, die er im Kopf bewahrt hat, gibt es nicht mehr. Auch Anne ist nicht mehr da. Damit kippt die Geschichte von der Reise ins Tragische: Freiheit allein reicht nicht, wenn der Mensch fehlt, zu dem man zurückkehren wollte. Genau darin liegt die besondere Stärke dieses ungewöhnlich erzählten DDR-Dramas.

Quelle: mz