EU bremst China-Paketflut aus
Millionen Billigsendungen aus China setzen Europas Handel unter Druck. Die EU reagiert jetzt mit neuen Zöllen und Gebühren auf Kleinpakete.

Täglich landen in Europa rund 16 Millionen kleine Pakete aus China. Bestellt werden sie vor allem über günstige Online-Plattformen wie Temu, Shein oder Aliexpress. Bisher galt für Sendungen mit einem Warenwert unter 150 Euro eine Zollbefreiung. Genau diese Regel steht nun im Zentrum der Kritik, weil sie aus Sicht von Handelsverbänden den Wettbewerb in Europa verzerrt.
Der Handelsverband Deutschland beziffert den jährlichen Steuerschaden durch die bisherige Ausnahmeregel auf mindestens 400 Millionen Euro. Dazu komme ein erheblicher Druck auf den heimischen Handel. Verbandspräsident Alexander von Preen warnt, dass mehr als 40.000 Jobs in Deutschland bedroht seien, davon 28.300 im Einzelhandel. Seine Kritik richtet sich auch gegen mangelhafte Produktsicherheit und Verstöße gegen Regeln, die europäischen Anbietern auferlegt sind.
EU will Handelslücke verkleinern
Auch in Polen wächst der Unmut über die Masse an Billigimporten. Dort wird befürchtet, dass heimische Unternehmen Marktanteile verlieren und Arbeitsplätze verschwinden. Genannt werden außerdem Sorgen über Produktsicherheit, Datenschutz, Verletzungen geistigen Eigentums und darüber, dass chinesische Plattformen große Mengen an Verbraucherdaten sammeln könnten.
Die EU zieht deshalb die Zügel an. Ab Juli sollen chinesische Exporteure für private Sendungen aus Drittländern unter 150 Euro EU-Zölle zahlen: drei Euro pro Produktkategorie in einem Paket. Mehrwertsteuer wird auf den deklarierten Warenwert bereits seit 2021 fällig. Im November 2026 soll zusätzlich eine Bearbeitungsgebühr festgelegt werden. Ab 2028 sollen mit dem geplanten EU Customs Data Hub dann die regulären Zollsätze greifen.
Für EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič ist klar, dass sich am bisherigen Kurs etwas ändern muss. Nach seinem Treffen mit Chinas Handelsminister Wang Wentao in Brüssel verwies er auf das stark wachsende Ungleichgewicht. 2025 exportierte die EU Waren im Wert von 199,6 Milliarden Euro nach China, während die Importe aus China bei 559,4 Milliarden Euro lagen. Das Defizit summierte sich damit auf 359,8 Milliarden Euro. Schon im ersten Quartal 2026 legten die chinesischen Einfuhren in die EU erneut zu.