CSD-Angreifer war Gefährder
Nach dem tödlichen Angriff auf den CSD in Berlin geraten die Behörden unter Druck. Der 21-jährige Tatverdächtige war laut Recherchen seit Jahren als Islamist bekannt und seit November 2025 als Gefährder eingestuft.

Nach dem tödlichen Angriff auf den CSD in Berlin mit einer Toten und 29 Verletzten wächst der Druck auf die Sicherheitsbehörden. Im Zentrum steht die Frage, wie ein Mann, der den Ermittlern offenbar schon lange bekannt war, eine solche Tat verüben konnte. Laut Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung soll der 21-jährige Tatverdächtige Abdul B. bereits seit Jahren im Visier der Behörden gestanden haben.
Schon als Jugendlicher aufgefallen
Dem Bericht zufolge war der in Berlin geborene Deutsche mit libanesischen Wurzeln schon ab seinem 16. Lebensjahr dem Verfassungsschutz bekannt. Er soll sich früh in der islamistischen Szene in Berlin bewegt haben. Innenminister Dobrindt sprach nach dem Angriff von einem islamistischen Terroranschlag.
Besonders brisant: Abdul B. war nach Informationen aus Ermittlerkreisen erst im Mai 2026 wegen der Vorbereitung einer terroristischen Straftat zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte demnach zuvor eine Freiheitsstrafe von knapp drei Jahren gefordert. Trotzdem kam er wieder frei.
Beratung lief noch, Einstufung als Gefährder stand
Nach den Recherchen befand sich der 21-Jährige in einer sogenannten Vorbewährung. Außerdem soll er die Auflage erhalten haben, an einem Deradikalisierungsprogramm bei einem freien Träger teilzunehmen. Eine endgültige Aufnahme als Beratungsfall war demnach aber noch nicht entschieden. Bislang habe es zwei freiwillige Termine gegeben, ein dritter sei erst für die kommende Woche geplant gewesen.
- seit Jahren den Behörden bekannt
- seit November 2025 als Gefährder eingestuft
- im Mai 2026 verurteilt und wieder entlassen
- Clearingprozess bei einer Beratungsstelle noch nicht abgeschlossen
In den Gesprächen soll Abdul B. einerseits angepasst und freundlich gewirkt haben. Gleichzeitig habe es laut den Recherchen Zweifel daran gegeben, wie ernsthaft er die Gespräche führte. Nach dem Anschlag rückt damit nicht nur die Tat selbst in den Fokus, sondern auch die Frage, ob die vorhandenen Informationen und Maßnahmen ausgereicht haben.