China stoppt KI-Romanzen
In China werden Apps eingeschränkt, die emotionale Abhängigkeit von KI fördern. Betroffen sind Millionen Nutzerinnen und Nutzer, die mit Chatbots Freundschaften oder sogar Liebesbeziehungen aufgebaut hatten.

China geht gegen Apps vor, die enge emotionale Bindungen an KI-Chatbots fördern. Damit trifft die Regierung ein Angebot, das vor allem unter jungen Menschen zuletzt stark verbreitet war. Viele Nutzerinnen und Nutzer hatten mit digitalen Avataren nicht nur gechattet, sondern Beziehungen aufgebaut, die für manche weit über Unterhaltung hinausgingen.
Der Ostasien-Korrespondent Fabian Kretschmer ordnet den Schritt als ungewöhnlich vorsichtig ein. Zwar gilt Peking bei neuen Technologien meist als offen, bei Künstlicher Intelligenz wächst jedoch die Skepsis. Laut Kretschmer sorgen sich Parteikader vor allem darum, dass KI bei Heranwachsenden psychische Schäden auslösen könnte. Bekannt wurden demnach Fälle, in denen Menschen regelrechte Liebesbeziehungen mit KI-Figuren eingingen.
Jugendschutz steht im Vordergrund
Nach Einschätzung Kretschmers ist der wichtigste Grund für das Vorgehen der Schutz der psychischen Gesundheit junger Menschen. Ein weiterer Aspekt dürfte aber ebenfalls eine Rolle spielen: China verzeichnet einen massiven Geburtenrückgang. Die Zahl der Neugeborenen liegt derzeit so niedrig wie noch nie seit Gründung der Volksrepublik 1949. Die Führung könnte daher auch ein Interesse daran haben, dass junge Menschen reale Partnerschaften führen statt sich in virtuelle Romanzen zurückzuziehen.
- Betroffen sind Millionen Nutzerinnen und Nutzer
- Besonders verbreitet sind die Apps bei jungen Chinesinnen und Chinesen
- In sozialen Medien ist nach dem Eingriff von Trauerstimmung die Rede
Warum die Bots so erfolgreich sind
Der Boom solcher Anwendungen hat laut Kretschmer mehrere Gründe. Junge Menschen in China stehen unter hohem Leistungs- und Wettbewerbsdruck, gleichzeitig ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt schwierig. Viele ziehen sich deshalb stärker in digitale Welten zurück. Hinzu kommt ein gesellschaftlicher Konflikt zwischen modernen, selbstbewussten jungen Frauen und konservativeren Vorstellungen vieler junger Männer. Gerade Chinesinnen würden in den Bots oft Empathie und Verständnis finden, das sie in ihrem Alltag vermissen.
Dass das abrupte Ende dieser KI-Beziehungen viele hart trifft, zeigt sich laut Kretschmer bereits im Netz. In chinesischen sozialen Medien herrsche eine spürbare Trauerstimmung. Das zeigt, wie tief die Bindung an digitale Gesprächspartner bei einigen längst geworden ist.