Bülent bringt Mozart auf Kurs
Bülent Ceylan steht am 8. Juli in Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ auf der Bühne der Berliner Staatsoper Unter den Linden. Der Comedian will mit der ungewöhnlichen Inszenierung neues Publikum für Oper gewinnen.

Bülent Ceylan tauscht die Comedy-Bühne gegen die Oper: Der 50-Jährige ist in Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ in der Berliner Staatsoper Unter den Linden zu sehen. Die Aufführung wird am 8. Juli ab 19 Uhr live übertragen. Für Ceylan ist der Ausflug in die Klassik mehr als nur ein Gastspiel – er will Menschen ansprechen, die bislang kaum Berührung mit Oper hatten.
In der Produktion übernimmt er die Sprechrolle des Bassa Selim. Dabei bleibt es aber nicht bei einer klassischen Figurenzeichnung: Ceylan spielt laut Ankündigung auch mit seiner eigenen Persönlichkeit und führt moderierend durch den Abend. So sollen heikle Stellen des Werks, etwa mit Blick auf Frauenbild oder rassistische Klischees, aus heutiger Perspektive eingeordnet werden. Nach seinen Worten bleibt der Originaltext erhalten – gesungen wird von ihm allerdings nicht.
Moderne Bilder für ein altes Werk
Die Inszenierung setzt deutlich auf Aktualisierung. Ein Beispiel: Aus dem Palast wird eine Jacht. Ceylan spricht von einer Art Klassik-Offensive, die den Abend stärker in Richtung Show öffnen soll, ohne dabei das traditionelle Opernpublikum zu verlieren. Das gemeinsame Ziel mit der Staatsoper: Hemmschwellen abbauen, jüngere Zuschauer gewinnen und ein neues Publikum für das Genre begeistern.
- Ort: Berliner Staatsoper Unter den Linden
- Werk: „Die Entführung aus dem Serail“ von Mozart
- Live-Termin: 8. Juli, 19 Uhr
- Dirigent: Thomas Guggeis
Sechs Wochen Proben mit dem Ensemble
Für den Auftritt hat Ceylan intensiv gearbeitet. Nach eigenen Angaben probte er rund sechs Wochen lang mit Regisseurin Andrea Moses, dem Ensemble und dem Orchester, teils sogar zweimal täglich. Anders als bei seinen Solo-Programmen sei hier kaum Platz für spontane Improvisation gewesen, weil jede Szene exakt auf Sänger und Orchester abgestimmt sein müsse.
Eine besondere Herausforderung war für ihn eine Liebesszene mit Konstanze, die von Adela Zaharia gesungen wird. Ausgerechnet bei einer Probe mit einer seiner Töchter im Saal sei ihm das nicht ganz leichtgefallen. Am Ende fiel das Urteil zuhause aber entspannt aus: Seine Tochter habe die Szene keineswegs schlimm gefunden. Klar ist: Diese Produktion will Mozart nicht museal zeigen, sondern als lebendiges Ereignis für ein Publikum von heute.
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