Bots fluten News-Kommentare
Eine internationale Recherche hat mehr als 17,5 Millionen Social-Media-Kommentare untersucht. Vor allem beim Thema Iran wurden auf Instagram und Facebook koordinierte Bot-Aktionen und politische Kampagnen entdeckt.

Kommentarspalten bei Nachrichten auf Social Media sind offenbar massiv angreifbar: Eine internationale Recherchekooperation hat Hinweise auf gezielte Manipulationen unter Beiträgen von Medienhäusern gefunden. Im Fokus stehen dabei mehr als 17,5 Millionen ausgewertete Kommentare, die zwischen April 2025 und März 2026 auf Accounts mehrerer europäischer Sender bei Instagram und Facebook gepostet wurden.
Iran-Thema sticht besonders heraus
Nach Angaben der Untersuchung löste das Thema Iran unter allen analysierten Inhalten die meisten koordinierten und mutmaßlich unechten Aktivitäten aus. Auch auf dem Instagram-Kanal der tagesschau fiel das auf: Unter einem Beitrag vom 24. Januar zum Interview mit Reza Pahlavi tauchten hunderte wortgleiche Kommentare auf, die das iranische Regime unterstützten.
Besonders auffällig: 361 identische Kommentare wurden dort in nur 14 Minuten veröffentlicht, mehr als 190 davon sogar innerhalb einer Minute. Die Reaktionen bezogen sich auf ein tagesthemen-Interview mit dem Sohn des 1979 gestürzten letzten Schahs von Persien. Hintergrund waren die Proteste im Iran Anfang Januar, die laut verschiedenen Menschenrechtsorganisationen mit Tausenden Toten brutal niedergeschlagen wurden.
Hinweise auf vernetztes Bot-System
Die Auswertung deutet laut Recherche auf ein koordiniertes Netzwerk hin, das unter Beiträgen der tagesschau auf Instagram aktiv war. Beschrieben wird ein eng verbundenes Cluster von Konten, in dem nahezu jedes Profil mit den anderen vernetzt gewesen sein soll. Der Berliner Forscher Kim Stoller vom IIBSA bewertet das Muster als technisch eindeutig und spricht von einem mutmaßlich automatisierten Netzwerk.
- Untersucht wurden Kommentare von BR24, France 24, LRT, ORF, RTVE, Swissinfo, RFI, tagesschau und ZDFheute.
- Die Analyse nennt botgesteuerte Hassrede, politische Kampagnen und kommerziellen Spam.
- Neben Regime-Unterstützung fanden sich auch Gewaltaufrufe gegen „Zionisten“ und den „Westen“.
Die Recherche zeigt damit, wie stark digitale Debatten unter Nachrichtenbeiträgen beeinflusst werden können — und dass auffällige Massenkommentare nicht automatisch Ausdruck echter öffentlicher Stimmung sind.