Bolsonaro-Sohn greift nach Macht
In Brasilien hat die rechte Partei PL den Senator Flávio Bolsonaro zum Präsidentschaftskandidaten für die Wahl im Oktober gemacht. Der Sohn des inhaftierten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro tritt gegen Amtsinhaber Lula an.

Flávio Bolsonaro soll für die brasilianische Rechte bei der Präsidentenwahl im Oktober antreten. Der 45-jährige Senator wurde auf einem Parteitag des Partido Liberal (PL) in São Paulo offiziell nominiert. Damit schickt die Partei den ältesten Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro ins Rennen gegen den linken Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva, der im August formell erneut als Kandidat bestätigt werden soll.
Die Nominierung war klar als Signal der Kontinuität gedacht. Flávio Bolsonaro präsentierte sich als politischer Erbe seines Vaters und stellte dessen Kurs in den Mittelpunkt. Auf der Bühne schwang er demonstrativ eine große Schere – ein Symbol für geplante Ausgabenkürzungen und einen harten Sparkurs.
Milei reist eigens zur Unterstützung an
Besonders auffällig war die Unterstützung aus dem Ausland: Argentiniens Präsident Javier Milei war persönlich in São Paulo dabei. Der ultraliberale Staatschef trat auf der Bühne demonstrativ an Bolsonaros Seite auf und attackierte in seiner Rede Brasiliens Präsidenten Lula. Er rief dazu auf, linken Kräften in Brasilien und ganz Lateinamerika ein Ende zu setzen.
- Kandidat: Flávio Bolsonaro, 45, Senator
- Partei: Partido Liberal (PL)
- Wahl: Präsidentenwahl im Oktober
- Gegner: Amtsinhaber Lula
Schatten des Vaters bleibt groß
Über dem Wahlkampf liegt jedoch weiter die Geschichte von Jair Bolsonaro. Der frühere Staatschef wurde wegen eines versuchten Staatsstreichs zu mehr als 27 Jahren Haft verurteilt. Bei der Parteiveranstaltung wurde laut brasilianischen Medien sogar ein KI-Video mit seinem Bild und seiner Stimme gezeigt. Darin beklagte er seine Inhaftierung als willkürlich und versuchte, seinen Anhängern Zuversicht zu geben.
Politisch ist Flávio Bolsonaro dennoch kein Selbstläufer. Fachleute trauen ihm nicht die gleiche Zugkraft wie seinem Vater zu, auch im konservativen Lager gilt seine Unterstützung nicht als geschlossen. Selbst innerhalb der Bolsonaro-Familie hatte es zwischenzeitlich Spannungen gegeben, unter anderem mit Michelle Bolsonaro. Klar ist aber: Mit seiner Kandidatur bleibt der Name Bolsonaro im Zentrum des brasilianischen Wahlkampfs.