Bayreuth ringt mit KI-Bildern
Bei den Bayreuther Festspielen hat zum 150-jährigen Bestehen ein KI-gestütztes „Rheingold“ Premiere gefeiert. Die Reaktionen im Festspielhaus fielen deutlich gemischt aus – mit Applaus, aber auch vielen Buh-Rufen.

Zum 150-jährigen Bestehen der Bayreuther Festspiele setzt das Haus auf ein ungewöhnliches Experiment: Der neue „Ring des Nibelungen“ wird von einer eigens entwickelten KI mit Bildwelten begleitet. Den Auftakt machte am Montagabend „Das Rheingold“ – und schon nach der Premiere war klar: Diese Idee spaltet das Publikum.
Während Richard Wagners Musik unverändert gespielt wird, entstehen auf der Bühne KI-generierte Projektionen, die über sechs Projektoren gezeigt werden. Die Sänger treten dabei teils hinter die Bildflächen zurück. Im Zuschauerraum sorgte das für hörbare Reaktionen: Neben Applaus gab es auch viele laute Buh-Rufe nach rund zweieinhalb Stunden Aufführung.
Kurator statt Regisseur
Verantwortlich für das Konzept ist Marcus Lobbes, Direktor der Akademie für Theater und Digitalität in Dortmund. In Bayreuth wird er nicht als Regisseur geführt, sondern als Kurator der künstlerisch-technischen Konzeption. Nach seinen Angaben bleibt das Werk selbst unangetastet. Die technische Ebene kommt dort hinzu, wo sonst klassisches Bühnenbild die Szene prägt.
Für das Projekt wurde die KI mit ausgewähltem Material trainiert. Dazu gehören unter anderem:
- das Libretto des „Ring des Nibelungen“
- Musik und Bildmaterial
- Geschichte der Bayreuther Festspiele
- Zeitgeschichte und dramaturgische Reflexion
Zwischen Felslandschaft und Zerrbild
Jeder Aufzug startet mit einem festgelegten Bild, danach folgen mehrminütige visuelle Assoziationen. Bei der Premiere waren etwa Felslandschaften, Unterwasserwelten, Höhlen, Blumen und verzerrte Figuren zu sehen. Einige Motive erinnerten zudem an frühere Bayreuther „Ring“-Inszenierungen. Laut Lobbes greift das System bewusst nicht aufs Internet zu, sondern nur auf kuratiertes Material – damit die Bildmaschine nicht völlig ins Beliebige abdriftet.
Gerade diese maschinellen Assoziationen machen den Jubiläums-„Ring“ aber auch zum Reiz- und Streitfall. Bayreuth zeigt damit, wie weit Oper und neue Technologie inzwischen zusammenrücken können. Ob das Publikum diese Form des digitalen Bühnenbilds am Ende annimmt, dürfte sich erst in den kommenden Aufführungen der restlichen drei „Ring“-Teile zeigen.