Bayreuth im Jubeljahr unter Druck
Die Bayreuther Festspiele starten am letzten Juli-Wochenende in ihr 150. Jubiläumsjahr. Neben neuen Wagner-Produktionen sorgt vor allem die Debatte um Michel Friedman und eine Gedenkveranstaltung für Unruhe.

Die Bayreuther Festspiele feiern in diesem Sommer ihr 150. Jubiläum – und bleiben auch 2026 ein Ereignis mit Strahlkraft weit über die Opernwelt hinaus. Zum Auftakt am letzten Juli-Wochenende werden wieder internationale Wagner-Fans sowie prominente Gäste aus der deutschen Politik erwartet, darunter Bundeskanzler Friedrich Merz und Ex-Kanzlerin Angela Merkel, die seit Jahren zu den regelmäßigen Besucherinnen zählt.
Der historische Bezug ist groß: Am 13. August 1876 wurden die ersten Festspiele eröffnet, nachdem Richard Wagner sein Projekt nach langen Finanzierungsstreitigkeiten doch noch durchgesetzt hatte. Schon damals galt Bayreuth als künstlerisches Ausnahmevorhaben. Im Jubiläumsjahr setzt die Leitung nun auf Erneuerung statt Vollständigkeit – obwohl ursprünglich geplant war, alle 13 vollendeten Wagner-Opern zu zeigen. Dieser Plan wurde aus finanziellen Gründen wieder verworfen.
Neues Programm statt Komplett-Wagner
Geblieben ist trotzdem ein auffälliges Jubiläumsprogramm. Geplant sind mehrere besondere Akzente:
- eine neue Inszenierung des „Ring des Nibelungen“ mit Unterstützung von KI
- eine Neuproduktion von „Rienzi“, Wagners frühem Erfolg
- zur Eröffnung Beethovens Neunte Sinfonie statt einer Wagner-Oper
Gerade der Beethoven-Auftakt hat Symbolkraft: Wagner hatte diese Sinfonie bereits 1872 zur Grundsteinlegung seines Festspielhauses in Bayreuth dirigiert. Das Jubiläum soll also nicht nur rückwärtsgewandt feiern, sondern auch neue Perspektiven eröffnen.
Streit um Michel Friedman
Überschattet wird der Start jedoch von der Debatte um Michel Friedman. Der jüdische Publizist war für die Gedenkveranstaltung „Verstummte Stimmen“ eingeladen, bei der an jüdische Künstlerinnen und Künstler erinnert werden soll, deren Wirken in Bayreuth durch Antisemitismus, Verfolgung und Ermordung endete. Friedman sollte dort über Antisemitismus und die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit der Festspiele sprechen.
Dann wurde ihm wegen fehlender Sicherheitsmaßnahmen vorgeschlagen, seine Rede zu einem späteren Zeitpunkt zu halten. Das Vorgehen sorgte für heftige Kritik, weil damit der Eindruck entstand, Bayreuth wolle der eigenen belasteten Geschichte ausweichen. Die Festspielleitung verwies zwar auf ihre historische Verantwortung – sowohl mit Blick auf Richard Wagners antisemitische Positionen als auch auf die spätere Nähe der Festspiele und Teilen der Wagner-Familie zum Nationalsozialismus. Nach einer Entschuldigung der Leitung soll Friedman nun doch teilnehmen.
Foto: Wikimedia Commons / Dr. Frank Gaeth, CC BY-SA 4.0