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Politik5. Juli 2026, 07:01 Uhr · von Redaktion

Bahai bangen um ihre Familien

Im Iran wächst die Angst in der Bahai-Gemeinde: Laut der Gemeinschaft sind dort inzwischen 65 Bahai inhaftiert. Die in Berlin lebende Studentin Atossa Najafi weiß seit Wochen nicht, wo ihr Bruder festgehalten wird.

Bahai bangen um ihre Familien

Die Lage der Bahai im Iran spitzt sich nach Angaben der Religionsgemeinschaft weiter zu. Im Mittelpunkt steht die Sorge um Atossa Najafi, eine 23-jährige Studentin aus Berlin, deren Bruder Anfang Juni von Sicherheitskräften mitgenommen wurde. Najafi studiert seit drei Jahren Zahnmedizin an der Charité und lebt in Deutschland, während ihre Familie in Isfahan zurückblieb.

Nach ihren Schilderungen durchsuchten Sicherheitskräfte am 6. Juni die Wohnung der Familie, beschlagnahmten persönliche Dinge und nahmen den 20-jährigen Bruder Parsa fest. Seitdem herrsche Ungewissheit. Über seinen Aufenthaltsort oder seinen Zustand gebe es nach Angaben der Familie keine Auskunft. Erst nach einiger Zeit sei wieder gelegentlicher Kontakt zu den Eltern möglich gewesen, weil bei der Durchsuchung auch Mobiltelefone mitgenommen worden waren.

Verfolgung mit langer Geschichte

Die Bahai-Religion entstand im 19. Jahrhundert im damaligen Persien. Im Iran wird sie bis heute nicht anerkannt, die Gläubigen gelten dort als Häretiker. Laut Amnesty International gehören Bahai zu den am stärksten verfolgten religiösen Minderheiten weltweit. Gerade im Iran seien sie seit Jahrzehnten systematischer Diskriminierung ausgesetzt.

  • eingeschränkter Zugang zu Bildung und Berufen
  • Verhaftungen und Beschlagnahmungen
  • Verwüstung von Friedhöfen und Heiligtümern

Zahl der Inhaftierten steigt deutlich

Auch die Bahai-Gemeinde in Deutschland schlägt Alarm. Ihr Menschenrechtsbeauftragter Jascha Noltenius sagt, die Zahl der inhaftierten Bahai im Iran sei in den vergangenen Monaten auf 65 gestiegen. Vor dem Krieg zwischen Israel und dem Iran habe sie bei rund 20 gelegen. Besonders erschütternd sind Berichte über Misshandlungen: Nach Informationen der Gemeinde sollen einzelne Gefangene schwer gefoltert worden sein, mindestens zwei Bahai seien im Gefängnis sogar Scheinhinrichtungen ausgesetzt worden.

Für Najafi steht trotz aller politischen Dimension vor allem ihre Familie im Vordergrund. Sie hofft auf Nachrichten über ihren Bruder und fürchtet zugleich, was ihm in Haft widerfahren sein könnte. In den Berliner Büroräumen der Bahai-Gemeinde, wo Bilder von Heiligtümern eigentlich für Frieden stehen, geht es deshalb derzeit vor allem um Angst, Verfolgung und die bange Hoffnung auf ein Lebenszeichen.