Arabische Frauen im Wahlfokus
Vor der Parlamentswahl in Israel rückt die arabische Minderheit in den Mittelpunkt. Vor allem die Stimmen arabischer Frauen könnten entscheidend werden – doch viele sind frustriert und zweifeln an der Politik.

Vor der Parlamentswahl im Herbst könnte in Israel ausgerechnet eine Gruppe besonders wichtig werden, die zuletzt oft fernblieb: arabische Frauen. In der arabischen Minderheit war die Wahlbeteiligung bei Frauen zuletzt niedrig. Aktivistinnen und Betroffene berichten aber, dass Krieg, Unsicherheit und Gewalt viele nun stärker politisieren könnten.
Ein Beispiel ist Fatima Shehade aus Haifa. Die 37-Jährige betreibt in Wadi Nisnas seit Jahren einen Imbiss und arbeitet zusätzlich als Rettungssanitäterin. In ihrem Alltag erlebt sie die Folgen der Gewalt unmittelbar. Sie schildert, dass die Lage in der arabischen Gesellschaft immer gefährlicher geworden sei und sie sich selbst beim Verlassen des Hauses unsicher fühle. Gerade deshalb wolle sie diesmal wählen, um politischen Wechsel zu unterstützen.
Zwischen Resignation und Hoffnung
In Haifa versuchen Organisationen wie Mossawa, mehr arabische Frauen zur Stimmabgabe zu bewegen. Projektleiterin Lama Nashashibi verweist auf die steigende Zahl von Tötungsdelikten in arabischen Gemeinden und sagt, viele Familien litten unter Krieg und Kriminalität. Nach ihren Angaben gab es seit Jahresbeginn 150 Morde in arabischen Orten Israels – deutlich mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Hinzu kommt, dass das Wahlverhalten in vielen kleineren Gemeinden stark von Familienstrukturen geprägt ist. Laut Nashashibi entscheiden oft einige wenige große Familien mit, und nicht selten geben Männer die Richtung vor. Wenn ein Familienoberhaupt gegen die Wahlteilnahme ist, gehen auf einen Schlag viele Stimmen verloren. Das sei ein wichtiger Grund dafür, dass bei der vergangenen Wahl nur 40 Prozent der arabischen Frauen abstimmten.
Wie tief die Enttäuschung sitzt, zeigt auch der Blick nach Shefa-Amr. Dort sagt die 26-jährige Mutter Fatima Baker, sie habe bei der letzten Wahl noch Hoffnung auf Frieden und Sicherheit gehabt. Die neuen Versprechen überzeugten sie nun nicht mehr. Sie fühle sich machtlos und wolle deshalb nicht noch einmal wählen. Genau zwischen dieser Resignation und dem Wunsch nach Veränderung dürfte sich entscheiden, ob arabische Frauen bei der kommenden Wahl tatsächlich den Ausschlag geben.