Alarm um Serbiens freie Presse
In Serbien wächst der Druck auf regierungsunabhängige Medien. Laut einem Bericht wurden 2025 insgesamt 209 Verstöße gegen die Pressefreiheit registriert, heuer waren es bis Mitte Juni bereits mehr als 100.

Die Situation für unabhängige Medien in Serbien hat sich zuletzt deutlich verschärft. Darauf weist ein neuer Bericht der Europäischen Journalisten Föderation (EFJ) und ihrer Partner hin. Demnach nahm der Druck auf regierungsunabhängige Redaktionen und Reporter im vergangenen Jahr weiter zu. Auch 2026 wurden laut den erfassten Meldungen bereits zahlreiche neue Fälle bekannt.
Mehr als doppelt so viele Fälle
Für das Jahr 2025 dokumentierten die Recherchen 209 Verstöße gegen die Medienfreiheit in Serbien. Das ist mehr als doppelt so viel wie im Jahr davor. Betroffen waren insgesamt 359 Journalisten, Medienmitarbeiter und Medienorganisationen. Bis zum 16. Juni dieses Jahres wurden bereits mehr als 100 weitere Vorfälle registriert, bei denen 170 Medienmitarbeiter betroffen waren.
- 2025: 209 Verstöße gegen die Medienfreiheit
- 359 Betroffene im Jahr 2025
- Bis 16. Juni 2026: mehr als 100 neue Fälle
- Nur ein gemeldeter Fall wurde laut N1 bisher rechtlich abgeschlossen
Drohungen, Angriffe und Flucht
Nach Angaben des regierungskritischen Senders N1 reicht die Reaktion der Behörden auf diese Entwicklungen nicht aus. Im Vorjahr kam es demnach nach mehreren Hetzkampagnen gegen Journalisten auch zu körperlichen Attacken durch Polizisten und Unterstützer der Regierungspartei. Hinzu kamen Morddrohungen und Hasspostings in sozialen Netzwerken. Organisationen wie Reporter ohne Grenzen und die EFJ fordern die Behörden seit Monaten auf, entschlossener gegen die Gewalt vorzugehen.
Der Bericht nennt außerdem weitere alarmierende Punkte: Sechs Journalisten sahen sich zuletzt zur Flucht aus dem Land gezwungen. In 51 Fällen soll die Polizei Aufforderungen der Staatsanwaltschaft zur Identifizierung von Verdächtigen nicht nachgekommen sein. Auch die Zeitung Becejski Mozaik und die Journalistin Kristina Demeter Filipcev wurden laut N1 Ziel von Onlinedrohungen; Filipcev war demnach wiederholt mit frauenfeindlichen und rassistischen Kommentaren konfrontiert. Zusätzlich ordnete ein Oberlandesgericht in Belgrad die Verhaftung des Journalisten Aleksandar Radic an, der kurz zuvor ins Ausland geflohen war.
Foto: Wikimedia Commons / Medija Centar Beograd, CC BY-SA 3.0