JETZT LIVE
Politik2. November 2026, 15:00 Uhr · von Redaktion

AfD-Leaks setzen Weidel unter Druck

Nach einem Hackerangriff sind laut SRF mehr als 421'000 interne AfD-E-Mails im Netz gelandet. Die Daten belasten vor allem Parteichefin Alice Weidel, weil sie neue Fragen zur Spendenaffäre von 2017 aufwerfen.

AfD-Leaks setzen Weidel unter Druck

Foto: Wikimedia Commons / Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Ein massiver Datenabfluss erschüttert die AfD: Nach Angaben der unbekannten Angreifer wurden mehr als 421'000 interne E-Mails im Internet veröffentlicht. Die Unterlagen sollen aus rund zehn Postfächern stammen, darunter Konten von Alice Weidel und Ehrenvorsitzendem Alexander Gauland. Ob alle veröffentlichten Dokumente echt sind, ist bislang offen.

Die Partei erklärte, bei einem Hackerangriff auf einen Dienstleister seien Teile mehrerer Postfächer kopiert worden. Die AfD habe rechtliche Schritte eingeleitet. Zu den konkreten Inhalten äusserte sie sich bisher nicht und forderte Medien dazu auf, das Material nicht weiterzuverbreiten.

Neue Fragen zur Spendenaffäre

Besonders heikel sind die Recherchen zur bekannten Spendenaffäre von 2017. Damals erhielt der AfD-Kreisverband Bodensee über eine Schweizer Firma rund 132'000 Euro. Solche Spenden aus Nicht-EU-Staaten sind in Deutschland grundsätzlich untersagt. Laut ausgewerteten E-Mails soll Weidel schon im Juli 2017 über eine geplante Zahlung informiert gewesen sein und die Einrichtung eines Kontos veranlasst haben. Bisher hatte sie erklärt, erst im September davon erfahren zu haben. Ob sich die Mails tatsächlich eindeutig auf diese umstrittene Spende beziehen, ist aber nicht abschliessend geklärt.

  • Veröffentlicht wurden laut Berichten rund 280 Gigabyte Daten.
  • Darin enthalten sind neben E-Mails auch Dokumente, Kontoauszüge und persönliche Angaben.
  • Ein Teil der Unterlagen reicht offenbar bis ins Jahr 2014 zurück.

Blick ins Innenleben der Partei

Die Leaks liefern zudem Hinweise auf Weidels frühere Distanz zu rechtsextremen Tönen in der eigenen Partei. So soll sie intern ein Wahlplakat mit dem Slogan «Neue Deutsche machen wir selber» als «NPD-Plakat» bezeichnet haben. Auch gegen Björn Höcke und den früheren Abgeordneten Wolfgang Gedeon soll sie sich kritisch geäussert haben. Laut den an der Auswertung beteiligten Journalistinnen und Journalisten zeigen die Daten, wie sich die Partei über Jahre weiter nach rechts bewegt hat.

Politisch ist das Material brisant, ein unmittelbarer Einbruch für die AfD in den Umfragen ist bisher aber nicht erkennbar. Nach Einschätzung der Rechercheure fehlt bislang die ganz grosse Überraschung. Trotzdem geben die veröffentlichten Dateien einen seltenen Einblick in die internen Abläufe einer Partei, die weiter zu den stärksten politischen Kräften in Deutschland zählt.

Quelle: SRF