Acht Monate im Eis
Zwölf Menschen driften mit der Tara Polar Station monatelang durch die zentrale Arktis. Die Expedition soll Daten aus einer Region liefern, über die vor allem im Winter bislang kaum etwas bekannt ist.

Zwölf Menschen, monatelange Dunkelheit, bittere Kälte und die ständige Gefahr durch Eisbären: Für die Crew der „Tara Polar Station“ beginnt eine Expedition der Extreme. Das Forschungsschiff soll sich im Herbst auf der russischen Seite der Arktis im Eis festsetzen und dann mit Strömungen und Wind in Richtung Spitzbergen treiben. Erst im kommenden Sommer dürfte es wieder frei kommen.
Die Reise gehört zu einem langfristigen Vorhaben der französischen Tara-Ozean-Stiftung. Bis 2045 sind insgesamt zehn Expeditionen geplant, um die zentrale Arktis besser zu erforschen. Gerade im Winter gibt es aus dieser Region bislang kaum Messdaten, weil die Bedingungen dort besonders hart sind.
Gebaut fürs Einfrieren
Die 26 Meter lange Station ist speziell dafür entworfen worden, dem Druck des Packeises standzuhalten. Statt einer klassischen Schiffsform setzt sie auf eine ovale Bauweise mit futuristisch wirkender Kuppel und Luftkissen rund um den Rumpf. So soll verhindert werden, dass das Eis das Schiff beim Festfrieren zerquetscht.
An Bord sind neben Crew, Technik, Küche und Medienschaffenden auch sechs Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, darunter die Schweizer Ozeanografin Nina Schuback. Untersucht werden während der gesamten Drift Luft, Eis, Wasser und die Welt unter der Oberfläche. Über eine Öffnung im Rumpf können mitten im Eis Proben genommen oder sogar Tauchgänge gestartet werden.
Was die Forschenden wissen wollen
Mehr als 100 Forschende sind insgesamt an dem Projekt beteiligt. Im Fokus stehen unter anderem diese Fragen:
- Wie passen sich Organismen an monatelange Dunkelheit und dauerhaftes Sommerlicht an?
- Welche Fischarten leben in der zentralen Arktis – und vermehren sie sich dort?
- Welche Rolle spielen Mikroben am Anfang der Nahrungskette?
- Wie könnten winzige Meeresorganismen sogar Wolkenbildung und Wetter beeinflussen?
Gerade die letzten Punkte gelten als besonders spannend: Bestimmte Algen und von ihnen produzierte Stoffe könnten über Partikel in der Luft Prozesse anstoßen, die für Wolken relevant sind. Die Expedition soll damit nicht nur mehr über das Leben im Eis liefern, sondern auch über Zusammenhänge, die weit über die Arktis hinausreichen.