Zoff um den WM-Verkauf
Die Fifa will Teile der WM-Vermarktung für Investoren öffnen. Dagegen wächst international der Widerstand: Uefa, Sepp Blatter und Politiker warnen vor einem Ausverkauf des Fußballs, sogar ein Boykott wird diskutiert.

Die Pläne der Fifa, Teile ihrer Turniere für private Investoren zu öffnen, sorgen international für heftigen Gegenwind. Nach den Vorstellungen von Präsident Gianni Infantino soll eine Tochtergesellschaft entstehen, die künftig kommerzielle Rechte und die Organisation von Wettbewerben bündelt. Ausgewählte Investoren könnten daran Minderheitsbeteiligungen ohne Kontrollrechte erwerben. Infantino verkauft das als weltweite «Demokratisierung des Fussballs» – viele Kritiker sehen aber das genaue Gegenteil.
Uefa zieht klare rote Linie
Besonders scharf reagiert die Uefa. Der europäische Verband macht deutlich, dass für ihn mit diesem Vorhaben eine Grenze überschritten wäre. Aus Sicht der Uefa dürfen Führung und Identität des Fußballs nicht zu handelbaren Vermögenswerten werden – vor allem dann nicht, wenn unklar bleibt, wer am Ende finanziell profitiert. Auch Uefa-Vizepräsident Gabriele Gravina warnt, dass das bisherige Gleichgewicht zwischen großer Show und echter Fan-Leidenschaft verloren gehen könnte.
- Die Fifa plant eine eigene Tochtergesellschaft.
- Darin sollen Rechte und Turnier-Organisation gebündelt werden.
- Investoren sollen Minderheitsanteile ohne Kontrolle erwerben können.
Kritik aus Politik und vom Ex-Fifa-Chef
Widerstand kommt nicht nur aus dem Fußball. Auch Ex-Fifa-Präsident Sepp Blatter stellt sich gegen Infantinos Kurs. Er sieht in dessen Nähe zu Donald Trump eine finanzielle Entwicklung, die dem Sport schade. Aus Großbritannien meldete sich zudem Premierminister Andy Burnham zu Wort: Die Weltmeisterschaft sei kein Produkt und gehöre niemandem – also könne sie auch nicht verkauft werden. Ähnlich argumentiert der US-Kongressabgeordnete Jamie Raskin, der der Fifa vorwirft, Konzerninteressen über die Fans zu stellen.
Brisant ist vor allem, dass laut mehreren Medien sogar ein WM-Boykott Thema werden könnte. Demnach will die Uefa noch in dieser Woche in einer Dringlichkeitssitzung über ihre Reaktion beraten. Sky, ESPN und Bloomberg berichten, dass dabei auch ein Boykott der Weltmeisterschaft besprochen werden soll. Hintergrund ist demnach die Rolle der Investmentgesellschaft Thrive Capital von Joshua Kushner, dem Bruder von Jared Kushner.