Whitehead schickt Carney los
US-Autor Colson Whitehead legt mit „Cool Machine“ den Abschluss seiner New-York-Krimitrilogie vor. Der zweifache Pulitzer-Preisträger verbindet darin Harlem, frühe 80er und aufkommenden Hip-Hop zu einem vielschichtigen Stadtbild.

Foto: Wikimedia Commons / Garrettf67, CC BY-SA 4.0
Colson Whitehead hat den letzten Teil seiner New-York-Trilogie veröffentlicht: „Cool Machine“ führt den Möbelhändler Ray Carney ein letztes Mal durch ein Harlem im Wandel. Der Roman spannt den Bogen in die frühen 1980er Jahre und zeichnet dabei erneut nicht nur einen Krimiplot, sondern auch ein literarisches Bild der Stadt.
Harlem zwischen Hip-Hop und Bauboom
Schon die ersten beiden Bücher der Reihe waren eng mit ihrer jeweiligen Zeit verbunden. „Harlem Shuffle“ spielte in den frühen 1960ern, „Crook Manifesto“ im New York der 1970er Jahre. Im Abschlussband rückt nun der aufkommende Hip-Hop in den Mittelpunkt – nicht als bloße Kulisse, sondern als Taktgeber für das Lebensgefühl einer Stadt, die sich sichtbar verändert.
Whitehead zeigt ein widersprüchliches New York: Auf der einen Seite wachsen neue Gebäude aus Glas und Stahl, auf der anderen bleiben die Brüche auf der Straße unübersehbar. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich auch seine Hauptfigur. Ray Carney ist inzwischen Mitte fünfzig, familiär angekommen und beruflich erfolgreich – die Zeitschrift „Sterling Furniture“ hat ihn sogar zum Möbelhändler des Monats gekürt. Trotzdem gerät er wieder in kriminelle Geschäfte und wird diesmal in einen größeren Diebstahl hineingezogen.
Vom Pulitzer-Star zum Krimiautor
Whitehead zählt zu den wichtigsten Stimmen der US-Literatur. Den großen Durchbruch schaffte der heute 56-Jährige mit „Underground Railroad“, später folgte mit „Die Nickel Boys“ sein zweiter Pulitzer-Preis. Ausgerechnet parallel zu diesen schweren, historisch geprägten Stoffen arbeitete er über sieben Jahre an seiner leichteren, ironischeren Krimireihe.
- 2017 und 2020: Pulitzer-Preise für Colson Whitehead
- 2021: „Harlem Shuffle“
- 2023: „Crook Manifesto“
- 2026: „Cool Machine“ als Abschluss
Inspiriert ist die Serie laut Whitehead von der afroamerikanischen Krimitradition eines Chester Himes und von klassischen Heist-Filmen. Entsprechend klingt der Ton hier oft lockerer, süffiger und ironischer als in seinen anderen Romanen. „Cool Machine“ erscheint in der deutschen Übersetzung von Nikolaus Stingl im Hanser Verlag, umfasst 448 Seiten und kostet 28,50 Euro.
Quelle: ORF