Wettfieber bis zur Super League
In Kampala und Accra verfolgen viele junge Männer Europas Fußball bis ins Detail – sogar die Schweizer Super League. Der Grund ist ein boomender Wettmarkt, der laut Betroffenen Sucht und Schulden mit sich bringt.
Wer in Kampala oder Accra über Fußball spricht, landet nicht nur bei der Premier League oder der Champions League. Auch Vereine wie die Young Boys, der FC Basel, Servette oder der FC Zürich sind manchen dort erstaunlich vertraut. Der Grund ist laut einem Bericht des Schweizer Rundfunks aber kein plötzliches Faible für Schweizer Fußball – sondern der starke Boom von Sportwetten in vielen Teilen Afrikas.
Vor allem junge Männer setzen auf Spiele aus Europa, meist per App auf dem Smartphone. In Kampala gehören Wettlokale inzwischen fest zum Straßenbild. Einer der Spieler ist der 27-jährige Marvin. Er lebt in Ugandas Hauptstadt, hat Verwaltungswissenschaften mit Bestnote studiert, aber nie eine feste Stelle gefunden. Europäische Ligen verfolgt er so intensiv, dass er sogar die Young Boys einschätzen kann: defensiv anfällig, offensiv stark. An einem Abend setzt er auf Tore von Arsenal und Manchester City – und legt zur Halbzeit beim Stand von 2:0 noch einmal nach.
Wetten statt warten auf Arbeit
Ein ähnliches Bild zeigt sich rund 4000 Kilometer weiter westlich am Rand von Accra. Dort warten zehn junge Moto-Taxifahrer unter einem Mangobaum auf Kundschaft. Weil in der Regenzeit weniger Menschen unterwegs sind, läuft das Geschäft schlecht. Auch hier wird gewettet – oft auf dieselben Spiele wie in Uganda. Zunächst spricht kaum jemand offen darüber, doch nach und nach zeigt sich: Fast alle haben eine Wett-App auf dem Handy.
- Gewettet wird vor allem auf europäische Fußballspiele
- Die Einsätze sind oft klein
- Bekannt sind aber auch Schulden und familiäre Folgen
Bekanntes Risiko, wenig offene Worte
Warum viele nur ungern über das Thema reden, ist schnell klar: Die Gefahr der Spielsucht ist präsent. Fast alle kennen laut Bericht jemanden, bei dem das Wetten außer Kontrolle geraten ist. Genannt werden Freunde mit hohen Schulden und Familien, die daran zerbrochen sind. Ein 26-jähriger Fahrer namens Reynold spricht das offen an. Weil Arbeit fehle, entstehe leicht die Hoffnung, über eine App doch noch an Geld zu kommen. Und wer verliere, wolle den Verlust oft sofort wieder ausgleichen.
Gerade darin liegt das Problem: Nicht die einzelne große Wette, sondern das ständige Nachsetzen. So wird aus der Hoffnung auf schnelles Geld für viele ein riskanter Kreislauf – und europäischer Fußball bis hin zur Schweizer Liga zum Stoff für den nächsten Einsatz.
Quelle: SRF