Wahltag-Lockdown im Westjordanland
Israel verschärft vor der Parlamentswahl am Dienstag die Maßnahmen im Westjordanland. Alle Übergänge sollen geschlossen, palästinensischen Arbeitern der Zugang zu Siedlungen weitgehend verwehrt werden.

Foto: L-BBE / Wikimedia Commons, CC BY 3.0
Vor der Parlamentswahl in Israel zieht das Militär die Zügel im Westjordanland noch einmal deutlich an. Nach Angaben der Armee soll am Dienstag ein umfassender Lockdown für das besetzte Gebiet gelten. Geplant ist, dass sämtliche Übergänge zwischen dem Westjordanland und Israel für Palästinenser geschlossen werden.
Schon vor dem Wahltag werden die Regeln verschärft. Palästinensische Arbeiter sollen bereits am Sonntag und Montag nicht mehr in israelische Siedlungen im Westjordanland und im Jordantal gelangen. Ausnahmen sind laut Militär nur für Industriezonen und eine begrenzte Zahl genehmigter Bereiche vorgesehen.
Hintergrund ist der Angriff bei Hebron
Auslöser für das harte Vorgehen ist der andauernde israelische Militäreinsatz im Westjordanland nach einem tödlichen Angriff nahe Hebron. Dabei wurden nach Armeeangaben am Freitag zwei Soldaten getötet und drei weitere verletzt. Die zwei mutmaßlichen Täter aus Hebron wurden demnach ebenfalls getötet.
Parallel geht Israel in Hebron weiter massiv gegen Palästinenser vor. Verteidigungsminister Israel Katz sagte dem Sender Kan, rund 2.000 Menschen seien aus ihren Häusern vertrieben worden. Der Bürgermeister von Hebron hatte zuvor gegenüber Al Jazeera von 2.200 Vertriebenen seit Beginn der Razzien gesprochen.
Wahl unter Spannung
Die Armee erklärte zudem, gemeinsam mit Grenzpolizei und Geheimdienst Anti-Terror-Einsätze in rund 40 Gebieten und an 400 Orten im Westjordanland durchgeführt zu haben. Dabei seien etwa 40 Verdächtige festgenommen worden, darunter Mitglieder von Hamas und Islamischem Dschihad.
- Wahltag in Israel: Dienstag, 27. Oktober 2026
- Geplante Maßnahme: Schließung aller Landübergänge
- Zusätzlich: Einreiseverbot für palästinensische Arbeiter in Siedlungen und Industriegebiete
Politisch fällt der Schritt in eine ohnehin hoch angespannte Lage. Der Ausgang der Wahl gilt als offen, Umfragen sehen derzeit kein klares Lager mit Mehrheit. Das Rennen zwischen dem Likud von Benjamin Netanjahu und der Opposition bleibt nach bisherigen Erhebungen äußerst knapp.
Quelle: Tagesschau